Wann sollte man sich an professionelle Unterstützung wenden, wenn eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege nicht eintritt?

Frauen unter 35 Jahren sollten nach einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch ein spezialisiertes Zentrum aufsuchen. Anders sieht es dagegen bei Frauen über 35 Jahren aus: Da die Befruchtungsfähigkeit der Eizellen in diesem Alter schon etwas nachlässt, sollten sich Frauen bereits nach 6 bis 8 Monaten unerfülltem Kinderwunsch an eine entsprechende Einrichtung wenden. Dies sollte in jedem Fall mit dem Partner besprochen und gemeinsam unternommen werden. Schließlich sollte der Kinderwunsch ja bei beiden vorhanden sein.

Zudem sollten bei beiden Partnern Basisuntersuchungen durchgeführt werden, um die Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch feststellen zu können. Dazu zählen eine Hormonabklärung ebenso beim Mann ein Spermiogramm sowie die Klärung, ob die Eileiter offen sind. Immerhin liegt in etwa 40 Prozent der Fälle die Ursache des unerfüllten Kinderwunschs beim Mann.

Welche Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung gibt es?

Es gibt zwei Arten der künstlichen Befruchtung, die in Österreich angewandt werden können. Bei der ersten Methode handelt es sich um die so genannte intrauterine Insemination. Bei einer geringfügigen Samenschwäche des Mannes wird dessen Samen durch spezielle Aufbereitungsverfahren konzentriert und dann mit einem Spezialkatheter am Tag des Eisprungs der Frau in die Gebärmutter eingebracht. Die zweite Form der künstlichen Befruchtung ist die In-Vitro-Fertilisation. Dabei werden der Frau Eizellen entnommen und in einem Reagenzglas mit dem aufbereiteten Sperma des männlichen Partners zusammengebracht. Danach wird der Embryo in die Gebärmutter der Frau eingesetzt.

Diese beiden Arten unterscheidet man aufgrund der unterschiedlichen Verfahren. Für beide gilt seit der Änderung des Fortpflanzungsgesetzes im Februar, dass auch die Verwendung von Fremdsamen erlaubt ist. Davor war dies nur für die Intrauterine Insemination erlaubt, nicht aber bei der In-Vitro-Fertilisation. Ebenfalls für beide Methoden der künstlichen Befruchtung gilt, dass die Partner entweder verheiratet sein müssen oder in einem notariellen Protokoll der männliche Partner festgehalten werden muss, damit dieser dann auch vom bürgerlichen Gesetz als der Vater des Kindes anerkannt ist.

Worum handelt es sich bei der Methode Social Egg Freezing?

Social Egg Freezing heißt, dass eine Frau, wenn sie noch keinen Kinderwunsch hat, da sie etwa zunächst auf ihre berufliche Karriere baut etc. in jüngeren Jahren Eizellen entnehmen lässt und diese dann quasi auf Eis gelegt werden. Erst bei Bedarf, also wenn sich die Frau ihren Kinderwunsch erfüllen möchte, werden diese Eizellen aufgetaut und verwendet.

Im Hinblick auf die Gesetzesänderung im Februar hat sich die Österreichische IVF-Gesellschaft stark dafür eingesetzt, dass diese Form der künstlichen Befruchtung auch in Österreich erlaubt wird. Das wurde jedoch abgelehnt. Social Egg Freezing, also die Möglichkeit für Frauen, ihre Eizellen aus eigener Entscheidung einfrieren zu lassen, ist hierzulande nach wie vor verboten.

Nur bei einer Erkrankung der Frau, beispielsweise an Krebs, kann man Eizellen entnehmen und einfrieren, da eine später durchgeführte Chemotherapie den Eierstöcken schaden würde. Ansonsten müssen Frauen in Österreich immer noch in die Nachbarstaaten wie beispielsweise Tschechien oder die Slowakei ausweichen, wo das Einfrieren der eigenen Eizellen sehr wohl erlaubt ist.

Gibt es noch weitere Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung, die in Österreich derzeit nicht erlaubt sind?

Was in Österreich derzeit nicht erlaubt ist, in Deutschland hingegen schon, ist die so genannte Embryonenspende. Dabei ist es einem Paar, das noch Embryonen hat, sich aber den eigenen Kinderwunsch bereits erfüllt hat, möglich, diese überzähligen Embryonen einem anderen Paar zu spenden. Man spricht dabei auch von assistierter Reproduktion.

Ebenfalls verboten ist die Geschlechtsbestimmung des Embryos vor dem Einsetzen in die Gebärmutter. Dies wäre durch die genetische Diagnostik zwar möglich, ist in Österreich aber verboten. Unter bestimmten Voraussetzungen ist seit Februar eine Präimplantationsdiagnostik, also eine genetische Untersuchung des Embryos vor dem Einsetzen in die Gebärmutter, erlaubt.

Dafür müssen in der Anamnese der Eltern gewisse vererbbare Erkrankungen festgestellt werden. Nur dann kann eine derartige Untersuchung durchgeführt werden. Ein generelles Präimplantationsscreening ist in Österreich aber grundsätzlich verboten. Das heißt ein „Aussortieren” der Embryos vor dem Einsetzen in die Gebärmutter darf nicht stattfinden.