Gabriele Heinisch-Hosek
Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst

Von halbe/halbe sind .wir noch weit entfernt. Kinderbetreuung, Haushalt, Pflege der älteren Angehörigen werden größtenteils von Frauen unbezahlt und neben ihrem Beruf geleistet.

Für die meisten Frauen ist ein Leben mit dieser Mehrfachbelastung der Normalzustand. Ein Normalzustand, der mit einem hohen Stressfaktor verbunden ist, was nicht zuletzt ein Gesundheitsrisiko bedeutet.

 

Die Doppelbelastung der Frau

Die Mehrfachbelastung bedeutet aber nicht nur ein physisches Gesundheitsrisiko, sondern geht auch mit großen, psychischen Belastungen einher. Hoher Druck, Zeitmangel und häufig auch materielle Sorgen hinterlassen ihre Spuren. Deswegen ist es auch wenig verwunderlich, dass Frauen stärker Burnout-gefährdet sind und öfter unter psychischen Krankheiten leiden als Männer.

 

Aufklärung ist essentiell

Auf diese besonderen Herausforderungen muss vor allem vorbeugend mit arbeitsplatzbezogenen Maßnahmen geantwortet werden. ArbeitnehmerInnen sollen in Zukunft länger gesund im Erwerbsprozess bleiben können, da sind sich alle einig. Hier sind auf der einen Seite die Unternehmen gefragt, für spezifische Angebote im Bereich der Prävention zu sorgen. Neben der betrieblichen Gesundheitsförderung benötigen wir aber auch ein noch besseres Wissen über die konkreten gesundheitlichen Bedürfnisse von Frauen. Es ist höchste Zeit, anzuerkennen, dass deren Bedürfnisse oft anders aussehen als die von Männern.

 

Entlastungen suchen und finden

Diese Einbeziehung einer Gender-Perspektive ins Gesundheitswesen ist eine große Chance. Eine Chance, Präventionsarbeit erfolgreicher und treffsicher zu machen, diagnostische Methoden maßgeschneidert anzuwenden und therapeutische Maßnahmen mit einer höheren Erfolgsquote zu wählen. Der Lehrstuhl für Gender Medizin an der MedUni Wien und die Frauengesundheitszentren in zahlreichen Bundesländern sind als klares Bekenntnis dafür zu werten, dass die Gender-Perspektive in der Medizin nicht nur längst angekommen, sondern auch anerkannt ist und entsprechend gefördert werden muss.

 

Stärkere Einbeziehung des Mannes in alltägliche Dinge

Wie kann man Frauen darüber hinaus entlasten? Zwei Ansatzpunkte sind hier zentral: Die noch stärkere Einbeziehung der Männer in die Hausarbeit und die Kindererziehung. Gleichzeitig brauchen wir auch einen deutlichen Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung – quantitativ und auch qualitativ. Aber nicht nur für die Kinder muss gesorgt sein, sondern auch im Pflegebereich gibt es noch Bedarf. Vor allem im ländlichen Raum haben wir bei den sozialen Dienstleistungen noch Versorgungslücken. Um die abzudecken, wird es auch nötig sein, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern.

Erst dann, wenn Männer die Hälfte der Hausarbeit selbstverständlich übernehmen und Frauen genauso ungehindert Karriere machen können, wenn Kindererziehung und deren Vereinbarkeit mit dem Beruf keine klassischen „Frauenfragen“ mehr sind, werden wir die Mehrfachbelastung von Frauen samt aller gesundheitlichen Risiken, die sie mit sich bringen, überwunden haben. Bis dahin liegt noch ein Stück des Weges vor uns – aber wir sind mit gutem Tempo unterwegs.