Das hohe Gesundheitsinteresse von Frauen muss besser für Kenntnisse des eigenen Gesundheitsrisikos und der Vorbeugung chronischer Erkrankungen genützt werden. Neben den gynäkologischen Problemen und Problemen rund um Schwangerschaft, Verhütung und Menopause treffen einige Erkrankungen vorwiegend Frauen. Dazu gehören verschiedene rheumatische und Autoimmun-Erkrankungen, wie die Fibromyalgie oder Lupus, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Migräne, Reizdarmsyndrom und Osteoporose. Außerdem sind viele Erkrankungen mit anderen Symptomen und Auswirkungen verbunden als bei den männlichen Betroffenen.

 

„Untypische“ Beschwerden

So haben Frauen öfter „untypische“ Beschwerden bei Erkrankungen des Herzens (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Rücken- oder Bauchschmerzen bei drohendem Herzinfarkt) und eine andere Gewichtung von Risikofaktoren wie Rauchen, hohe Blutfette, Bluthochdruck oder Diabetes in der Auswirkung auf verschiedene Organfolgeschäden. Diabetes betrifft Frauen bei der Diagnose, der Entwicklung von Spätschäden und den Behandlungserfolgen ganz besonders. Diabetes wird bei ihnen später entdeckt, weil der routinemäßig erhobene Nüchternblutzucker im Frühstadium oft noch unauffällig ist. Frauen mit nicht-erkanntem, unbehandelten Diabetes haben bei koronarer Herzkrankheit aber ein besonders hohes Risiko für Komplikationen.  Diabetes erhöht das Herzinfarkt-Risiko bei Frauen besonders stark.

 

Bewusst leben

Bei einer mittleren Lebenserwartung von derzeit 83 Jahren verbringen Frauen relativ zu Männern einen größeren Lebensanteil mit Einschränkungen und Behinderungen durch chronische Leiden und sind doppelt so oft wie Männer von depressiven Störungen betroffen.  Psychische Erkrankungen sind neben chronischen Schmerzen, besonders Rückenschmerzen, bereits häufigste Ursache von Invalidität, Frühpensionierungen und Krankenständen bei Frauen. Zum hohen Risiko für Angststörungen und Depressionen tragen hormonelle Ursachen, Stress durch Mehrfachbelastung (Kind und Job,  Pflegetätigkeit in der Familie) und traumatisierende Erlebnisse bei, aber auch Überbehandlung durch Geschlechtsstereotypien: Eigenschaften wie Mitgefühl, Aufopferung, Verzicht, niedriges Selbstwertgefühl und Passivität werden eher Frauen zugeordnet.  Frauen neigen eher zum „Grübeln“, aber auch zu Perfektionismus und sie sind häufiger mit sich und ihrem Körperbild unzufrieden.

 

Gesundheit

Frauen leiden öfter und intensiver unter starkem Übergewicht. Dabei nimmt die Ernährung einen hohen Stellenwert in ihrem Gesundheitsdenken ein.
Viele haben schon in jungen Jahren verschiedenste Diäten versucht, was einerseits neben unrealistischen Schönheitsidealen das Risiko für die Entwicklung einer Anorexie, aber andererseits auch durch den Jojo-Effekt das Übergewicht erhöhen kann.

Obwohl Frauen insgesamt einen gesünderen Lebensstil haben und Vorsorge für sie einen wichtigen Stellenwert einnimmt, bewegen sie sich selbst oft nicht ausreichend, bzw. haben nie erfahren, wie Freude an der Bewegung und sportliche Erfolge die Lebensqualität nachhaltig anheben.  Körperliche Aktivität und Fitness verbessern Blutdruck und den Stoffwechsel, senken das Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viele Krebsformen und Osteoporose. Frauen müssen ihre eigenen Risikofaktoren besser erkennen und mehr auf sich selbst und ausreichende Regenerationsmöglichkeiten achten. Genussvolle, entspannte Stunden mit dem Partner, der Familie oder Freunden und Zufriedenheit mit dem Sexualleben tragen zu Wohlbefinden und zur Gesundheitserhaltung bei.

Um Frauengesundheit auch in der Praxis besser umzusetzen, sind Frauen-Gesundheitszentren notwendig und wichtig. Im Kamptal gibt es beispielsweise ein nur für Frauen entwickeltes Gesundheitsressort – hier wird auf Prävention frauentypischer Probleme und Gesundheitsförderung besonderen Wert gelegt.