Univ. Prof. Dr. Stefan Jirecek
Facharzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der medizinischen Universität Wien

Im letzten Jahrzehnt hat sich die Zahl der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch verdoppelt. Dafür gibt es verschiedenste Gründe: Krankheiten, hormonelle Störungen, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen. Viele Frauen wollen ihr erstes Kind erst relativ spät bekommen, weil sie auch auf eine Karriere nicht verzichten wollen. Oft erreichen sie dann ein Alter, in dem ihre natürliche Fruchtbarkeit bereits abgenommen hat.

Bei Männern wird beobachtet, dass sich die Qualität der Samenzellen seit Jahren kontinuierlich verschlechtert. Schadstoffe, die zum Beispiel in Kunststoff enthalten sind, werden als Ursache dafür vermutet. Ebenso können sich bei beiden Geschlechtern Immunschwächen aber auch psychischer Stress negativ auf die Fertilität auswirken. Denn wenn es dem Körper nicht gut geht und er alle Kräfteressourcen selbst braucht, steht die Reproduktionsfähigkeit hinten an. Bei ungefähr 15 Prozent der Paare mit Kinderwunsch bleibt dieser ein Leben lang unerfüllt.

Viele Paare wollen sich aber nicht damit abfinden und nehmen daher professionelle Hilfe in Anspruch. Univ. Prof. Dr. Stefan Jirecek ist ein Spezialist, der diese Hilfe anbietet. Er ist Facharzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der medizinischen Universität Wien: „Die meisten Paare versuchen vorher lange alleine bzw. mit Hilfe des niedergelassenen Facharztes schwanger zu werden und wenden sich erst nach einer gewissen Zeit an ein Kinderwunschzentrum.“

Am Anfang gibt es ein erstes, einstündiges Beratungsgespräch, in dem die Therapie geplant wird. Dann beginnt das stufenförmige Therapieverfahren. Der erste Versuch erfolgt meistens mittels Insemination, bei der der Samen zum optimalen Zykluszeitpunkt direkt in den Genitaltrakt der Frau eingebracht wird. „Wenn das Problem etwa an der Geschwindigkeit der Samenzellen liegt, reicht dieser Lösungsweg oft für eine Schwangerschaft. Klappt das nicht, ist der nächste Schritt die sogenannte „In-vitro-Fertilisation“ (IVF), bei der Eizellen und Spermien in eine spezielle Kulturschale gegeben werden, um eine Befruchtung zu erreichen“, erklärt Dr. Jirecek. Bleibt auch das ohne Erfolg, ist die letzte Möglichkeit die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion. Dabei werden die Spermien mit einer Hohlnadel aufgenommen und direkt in die reifen Eizellen injiziert.

Zwei bis fünf Tage nach der Befruchtung werden die Embryonen dann wieder in den Körper der Patientin eingebracht. „Wir transferieren maximal zwei Em-bryonen, da es ansonsten vermehrt  zu Mehrlingsschwangerschaften kommen kann, bei denen für die Babies  bzw. deren Mütter viele Risiken, wie beispielsweise die Gefahr einer Frühgeburt, bestehen. Leider gibt es, was die erlaubte Anzahl der eingepflanzten Embryonen angeht, in Österreich keinerlei gesetzliche Vorgaben, nur Empfehlungen“, kritisiert Dr. Jirecek.

 

Prävention

Gibt es eigentlich Präventionsmöglichkeiten, mit denen die biologische Zeugungsfähigkeit erhalten werden kann? Dr. Jirecek empfiehlt: „Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, viel Bewegung und Sport. Aber nicht zu viel. Eine dänische Studie von 2011 hat gezeigt, dass bei normalgewichtigen Frauen ein moderates Training zwischen einer und fünf Stunden pro Woche optimal ist. Mehr ist schlecht für die Fruchtbarkeit. Auch die Vermeidung von Stress und Aufregung im Alltag wirkt sich natürlich positiv aus.“