Univ.-Prof.Dr. Stefan Jirecek
Leiter des Fertilitätszentrums Döbling; Facharzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Kinderwunschexperte

Univ.-Prof. Dr. Stefan Jirecek, Leiter des Fertilitätszentrums Döbling in Wien, erklärt wie Befruchtung nach Plan funktioniert und wie Risiken und Chancen zueinander im Verhältnis stehen.

 

Vielen Frauen wird der Wunsch, auf natürliche Weise schwanger zu werden, verwehrt. Was könnten hierfür die Ursachen sein?

Häufige Ursachen unerfülltem Kinderwunsch sind hormonelle Störungen, ein nicht durchgängiger Eileiter oder auch eine verminderte Qualität der Samen. Man sagt, dass die Gründe etwa zu 30 Prozent auf weiblicher und zu 30 Prozent auf männlicher Seite zu finden sind. In den restlichen Fällen ist die Ursache bei beiden Partnern zu finden.

Natürlich spielt in diesem Bereich aber auch das Alter eine wesentliche Rolle. In unserer Gesellschaft denken Frauen immer später über Nachwuchs nach, da sie ihre Prioritäten auf eine berufliche Karriere legen. Aus diesem Grund haben die Frauen heutzutage ihre erste Schwangerschaft im Schnitt erst mit 30 Jahren. Die meisten Frauen, die ein Kinderwunschinstitut aufsuchen, sind derzeit um die 35 Jahre alt.

 

Welche verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten gibt es, um der Natur auf die Sprünge zu helfen?

Die Methoden zur Kinderwunschtherapie sind abhängig von der Ursache der Kinderlosigkeit. Wenn man länger als ein Jahr versucht hat, schwanger zu werden und auch mit Hilfe der niedergelassenen Fachärzte keine Schwangerschaft eingetreten ist, sollte man ein Kinderwunschinstitut aufsuchen.

Ein Follikel-Monitoring untersucht zu Beginn, ob der weibliche Zyklus richtig arbeitet. Mit oder ohne hormonelle Stimulation der Eierstöcke kann als erster Schritt eine Insemination durchgeführt werden. Hierbei wird der Samen aufbereitet und in die Gebärmutterhöhle eingebracht. Schlussendlich wird bei Erfolglosigkeit bzw. bei medizinischer Indikation künstlich befruchtet.

 

Wie kann man diese künstliche Befruchtung einfach erklären?

Zunächst werden die Eierstöcke hormonell stimuliert, sodass sich mehrere Eibläschen bilden. Bei der richtigen Eibläschengröße werden diese punktiert, d.h. die Eizellen entnommen und mit dem Samen befruchtet. Dabei kann man zwischen der klassischen In-vitro-Fertilisation (IVF) und der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) unterscheiden.

Bei der klassischen „Befruchtung im Glas“ (IVF) werden Eizelle und Samen außerhalb des Körpers in einer kleinen Schale zusammengeführt, sodass die Befruchtung „an sich natürlich“ passiert. Das heißt eine Samenzelle sucht sich eine Eizelle aus. Wenn die Samenqualität schlechter ist, injiziert man die Samenzelle direkt in die Eizelle (ICSI). Diese zweite Methode wird häufiger angewendet, da die Befruchtungsrate bei über 90 Prozent liegt.

 

Sollte man als Frau bestimmte Voraussetzungen mitbringen, damit eine künstliche Befruchtung funktionieren kann?

Prinzipiell ist es eine gute Voraussetzung, wenn man einen regelmäßigen Menstruationszyklus hat. Allerdings können schlechte Lifestyle-Faktoren, wie beispielsweise Rauchen, die Behandlung erschweren. Auch Probleme mit der Schilddrüse oder bestimmte Vorerkrankungen verkomplizieren eine Befruchtung

Natürlich ist in diesem Kontext auch wieder das Alter ein Thema. Ab 42 Jahren wird es für Frauen, die sich eine Schwangerschaft wünschen, deutlich schwieriger.

 

Welche Risiken können bei einer entsprechenden Behandlung auftreten?

Im einstelligen Prozentbereich kann es zu einer Überstimulation der Eierstöcke kommen. Erkennbar wird das durch starke Bauchschmerzen. Ganz selten kann es auch der Fall sein, dass Komplikationen durch den Eingriff der Eizellpunktion auftreten.

 

Was würden Sie Frauen mit einem unerfüllten Kinderwunsch raten?

Wenn man, wie bereits gesagt, nach einem Jahr immer noch nicht auf natürlichem Weg schwanger geworden ist, sollte man der Sache auf den Grund gehen. Ich empfehle in dieser Frage auch nicht viel Zeit zu verschwenden, da das Alter leider eine zentrale Bedeutung beim Schwangerwerden einnimmt.