Frauen und Männer weisen Unterschiede im Gesundheitsverhalten, im Krankheitserleben und in der Bewältigung von Krankheit auf. Alle diese Unterschiede sind wichtige Indikatoren, die im Interesse einer medizinisch erfolgreichen Gesundheitsversorgung berücksichtigt werden müssen.

„Genderspezifische Aspekte in der Gesundheitsversorgung müssen stärker berücksichtigt werden. Denn Frauen und Männer haben verschiedene Gesundheitsrisiken und zeigen bei manchen Krankheiten andere Symptome.“

Der „Aktionsplan Frauengesundheit“ ist ein Projekt des Gesundheitsministeriums und des Bundesministeriums für Bildung und Frauen. Frauen und Männer sind mit verschiedenen Gesundheitsrisiken konfrontiert und reagieren oftmals unterschiedlich auf Medikamente. Auch sind Frauen zunehmend von Erkrankungen betroffen, die bislang als typische Erkrankungen von Männern galten, wie zum Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, im Besonderen von Herzinfarkten.

Mit dem „Aktionsplan Frauengesundheit“ sollen der genderspezifische Aspekt in der Gesundheitsversorgung weiter gefördert und alle Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen dafür sensibilisiert werden. Dieses Ziel ist im Regierungsprogramm festgehalten und auch Teil der österreichischen Rahmengesundheitsziele.

Was ist Gendermedizin?

Bereits seit den 1970er Jahren befasst man sich mit Gendermedizin. Die damalige Frauengesundheitsbewegung forderte mehr Selbstbestimmung der Frauen hinsichtlich der medizinischen Angebote und wies auf den Ausschluss von Frauen aus klinischen Studien hin. Gendermedizin hat sich zwischenzeitlich als wichtige, zukunftsträchtige und spannende Forschungsdisziplin entwickelt und ist fester Bestandteil nicht nur in allen Disziplinen der Medizin, sondern umfasst auch psychosoziale und soziokulturelle Forschungsansätze.

Gendermedizin in Österreich: 40 Maßnahmen

Das dabei gesammelte Wissen über geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf Lebenswelten, Gesundheitsbedürfnisse und Gesundheitsverhalten ermöglicht eine zielgruppenspezifische und bessere Planung von Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, Prävention und Früherkennung. Die Berücksichtigung von Genderaspekten bei der Planung von Gesundheitsförderungsmaßnahmen und Gesundheitsförderungsprogrammen trägt gleichermaßen zur Qualitätssicherung und Qualitätssteigerung bei.

Unter diesen Vorzeichen steht auch der von Fachleuten und Betroffenen erarbeitete „Aktionsplan Frauengesundheit“. Konkret werden 40 Maßnahmen, die für Frauen in Österreich einen gesundheitlichen (Zusatz-) Nutzen bringen, im Aktionsplan definiert.

Struktur nach Lebensphasen

Die Struktur des Aktionsplans orientiert sich an den verschiedenen Lebensphasen der Frauen. Der Bedarf und die Bedürfnisse von Frauen hinsichtlich ihrer Gesundheit sind in der Jugend, im Berufsleben und im Alter recht unterschiedlich. Daher ist es in der Gesundheitspolitik erforderlich, die Handlungsfelder der Frauengesundheit in Abhängigkeit vom Alter jeweils differenziert zu gewichten. Drei Arbeitsgruppen, nämlich zu Mädchen & jungen Frauen, zu Frauen im Erwerbsalter und zu älteren Frauen, werden für jede Lebensphase entsprechende Maßnahmen definieren.

Health in all Policies

Die Gesundheit der Bevölkerung wird durch eine Vielzahl von individuellen, sozialen, sozioökonomischen und gesellschaftlichen Faktoren beeinflusst und kann durch gebündelte Anstrengungen in allen Politikfeldern wirksam und nachhaltig gefördert werden. Auch Frauengesundheit ist ein Querschnittsthema, weshalb beim „Aktionsplan Frauengesundheit“ das Prinzip „Health in all Policies“ (Gesundheit in allen Politikfeldern) zum Tragen kommt. Sowohl die Erarbeitung als auch die Umsetzung des Aktionsplans erfolgt intersektoral und mit Einbindung von zahlreichen Fachorganisationen und Betroffenen. Im Rahmen eines partizipativen Prozesses werden alle wichtigen Stakeholder gemeinsam diesen Maßnahmenkatalog zur Förderung der Frauengesundheit erarbeiten. Das Ergebnis soll zum Jahresende präsentiert werden.