Welcher Zusammenhang besteht zwischen Diabetes und Schlafproblemen?

Da muss man weiter ausholen: Jede Störung des Organismus zieht gewisse Krankheiten mit sich. An erster Stelle steht deshalb immer die Vorbeugung. Zu den Risikofaktoren für Diabetes Typ 2, das primär nicht insulinpflichtig ist, gehört neben der genetischen Belastung auch ein ungesunder Lebensstil. Seit rund zehn Jahren weiß man außerdem, dass auch der Schlaf eine wichtige Rolle spielt. Es gab mehrere große Studien, die die Schlafgewohnheiten beobachteten.

Was wurde bei diesen Studien festgestellt?

Dass ein Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und dem Risiko, an Diabetes zu erkranken, besteht. Eine tägliche Schlafdauer im Bereich von ungefähr sechs bis acht Stunden wurde dabei mit dem niedrigsten Diabetes-Risiko assoziiert. Wenn jemand deutlich mehr oder deutlich weniger geschlafen hat, ging das Risiko nach oben.

Wie lassen sich diese Ergebnisse erklären?

Wenn man zu viel schläft, nimmt der Energieverbrauch ab. Man bewegt sich weniger und zugeführte Nahrung schlägt sich eher in einer Gewichtszunahme nieder. Weil man die Muskeln weniger bewegt, kommt es zu einer Insulinresistenz der Muskulatur. Das bewirkt ein höheres Risiko für Diabetes, ungeachtet möglicher weiterer Zusatzfaktoren.

Warum steigt die Diabetes-Gefahr auch bei zu wenig Schlaf?

Wenn jemand zu kurz schläft, bildet der Körper vermehrt Stressfaktoren wie Adrenalin oder Noradrenalin, aber auch einen chronisch erhöhten Cortisolspiegel, weil die Hirnanhangdrüse, die das System steuert, in dauernd erhöhter Alarmbereitschaft ist. Diese Faktoren führen ebenfalls zu Insulinresistenz, Zucker kann weniger gut abgebaut werden.

Warum leiden scheinbar gerade Diabetiker häufig an Schlafmangel?

Wenn jemand schon Diabetes hat, gelten die gleichen Regeln wie für Nicht-Diabetiker. Hinzu kommt, dass die Nacht generell ein Risikozeitraum für Unterzuckerung ist. Im Schlaf bemerkt man den sich anbahnenden Unterzucker weniger gut. Aber Episoden mit tiefen Blutzuckerwerten können zu einer gestörten Hormonregulation führen. Deshalb sind eine adäquate Insulineinstellung und eine PatientInnenschulung sehr wichtig.

Wann sollte sich ein Diabetiker mit Schlafproblemen Sorgen machen und einen Arzt aufsuchen?

Das kann man verallgemeinernd nicht sagen, der Zucker an sich hat mit der Schlafqualität unmittelbar nichts zu tun. Schlaf ist ein multifaktorielles Geschehen, die Gründe für Schlafprobleme können auch in psychischen Problemen oder Depressionen liegen.

DiabetikerInnen leiden häufig an nächtlichen Atemaussetzern. Warum?

Übergewicht kann zu lautem Schnarchen oder Atemaussetzern führen. Der Körper reagiert auf den Untersauerstoff mit einer Panikreaktion, was nicht gut für eine Stoffwechselerkrankung wie Diabetes ist. Durch die dauernde Alarmreaktion ist ein entspannender Schlaf kaum möglich.

Was kann man als Betroffener dagegen tun?

Wenn jemand laut schnarcht oder dem Partner sogar Atempausen auffallen, können Messungen im Schlaflabor Aufschluss geben. Eine nächtliche Sauerstofftherapie kann zu einer Verbesserung beitragen. Wenn jemand sehr adipös ist, kann auch eine Reduzierung des Körpergewichts die Apnoe lindern und folglich den gesunden Schlaf fördern. Generell gilt: Wer sein Gewicht im Rahmen hält, einen Body-Mass-Index von 30 nicht überschreitet und regelmäßig körperliche Aktivitäten ausübt, fördert den Schlaf in der Nacht.

Haben Sie Empfehlungen speziell für DiabetikerInnen mit Schlafproblemen?

Wenn Diabetiker, die Medikamente wie Insulin nehmen, unruhig schlafen und durchgeschwitzt aufwachen, könnte das ein Zeichen für Unterzucker sein. Auch, wenn sie am nächsten Tag völlig zerschlagen sind und Symptome wie Kopfschmerzen haben, empfiehlt es sich, einen diabeteskundigen Arzt zu konsultieren.

Welche Möglichkeiten bestehen darüber hinaus?

Für PatientInnen mit Insulintherapie gibt es kontinuierliche Blutzuckermesssystme, die den Blutzucker aus dem Unterhautfettgewebe messen und über 24 Stunden mehr oder weniger lückenlos aufzeichnen. Wenn der Patient sich nicht sicher ist, ob es nachts besondere Abweichungen nach oben oder unten gibt, kann er den Blutzucker über einen Zeitraum von zwei oder drei Nächten durchgehend messen lassen.