Frau Prof. Andrea Hofbauer, Sie sind die Präsidentin des Verbandes der Diätologen Österreichs. Was empfehlen Sie als gesunde Ernährung im Winter?

Gesunde Ernährung bedeutet grundsätzlich, dass Energie und Nährstoffe, also Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe im richtigen Maß aufgenommen werden. Wer sich entsprechend seines Alters, seiner persönlichen Verfassung und Lebensumstände ernährt, macht es sommers wie winters richtig.

Welche Rolle spielen Ausgewogenheit und Vielfalt bei der Wahl der Lebensmittel?

Als symbolische Beschreibung für eine gesunde Ernährung dient uns die Ernährungspyramide. Sie gewichtet die Lebensmittel in Gruppen. Wer sich daran orientiert, ernährt sich ausgewogen und vielfältig.

Wo beginnt gesunde Ernährung, wo hört sie auf?

Gesunde Ernährung beginnt beim Einkauf der Produkte. Sie umfasst die nährstoffschonende, aber zugleich geschmackvolle Zubereitung. Gesunde Ernährung hört dann auf, wenn sie einseitig wird, wenn entgegen der Bedürfnisse von Körper und Geist verzichtet wird, kurz: wenn Genuss und Freude am Essen auf der Strecke bleiben.

Nach welchen Kriterien sollte man Lebensmittel kaufen?

Neben den geschmacklichen Vorlieben kommt es auf die Qualität der Lebensmittel an. Frische, unverarbeitete Produkte stecken voller Nährstoffe – lange gereisten, gelagerten und verarbeiteten Produkten mangelt es häufig daran. Bewusst einzukaufen, das ist hier mein Rat.

Wie schafft man Bewusstsein, wo es bei uns doch alles im Überfluss und zu jeder Jahreszeit zu kaufen gibt?

Angesichts der allzeit erreichbaren Produktvielfalt in unseren Supermärkten, die saisonale Grenzen verwischt, darf man sich ruhig auf Bekanntes und Bewährtes besinnen. Saisonkalender zu Rate ziehen, die es im Internet zuhauf gibt. Auf die Herkunftsangaben der Lebensmittel achten. Und bitte, lassen Sie sich ein auf Neues: Das Internet hält Millionen von Rezepten bereit, klassische, exotische und welche für ganz normale Hausmannskost.

Wenn Sie sich den österreichischen Teller vorstellen, ist der gesund und ausgewogen gefüllt?

Bei all der Vielfalt, die uns hier zur Verfügung steht, und die sich durchaus auch auf dem – so es ihn denn gäbe – österreichischen Teller wiederfände, gäbe es dort leider immer noch zu viel Fett und die falsche Auswahl bzw. Zusammensetzung, also gesättigte Fette, die unter anderem Ursachen für einen zu hohen Cholesterinspiegel und Übergewicht sind. Auf dem österreichischen Teller sind einfach immer noch zu viele Fleisch- und Wurstwaren drauf. Damit eng verbunden ist auch der noch immer zu große Salzgehalt unseres Essens.

Was empfehlen Sie stattdessen?

Anstelle täglich Fleisch und Wurstwaren zu essen, sollte im Sinne der Vielfalt und Ausgewogenheit auch ein bis zwei Mal pro pro Woche heimischer Fisch einen Fixplatz auf dem Speiseplan haben. Zu häufig wird nach Fisch aus Übersee gefragt, gleichwohl wir hierzulande Fisch haben, der eine sehr gute Qualität hat. Statt immer nur Salz bringen Kräuter und Gewürze – einheimische wie exotische – Geschmack auf den Teller.

Auf welche Lebensmittel setzen Sie in der Winterzeit?

Ich achte darauf, mich ausgewogen zu ernähren und dabei auch die saisonalen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Das heißt, ich muss beispielsweise keine Erdbeeren im Winter essen. Auch bei der Auswahl von Gemüse und Salat bevorzuge ich typisches Wintergemüse, das sich vielfältig als Salat, Beilage, Hauptspeise oder mal als wärmende Suppe einsetzen lässt. Denn darum geht es im Winter schließlich: Um etwas Warmes im Bauch!