Was ist Schlaf?

Definiert ist Schlaf als ein aktiver, rhythmisch wiederkehrender Erholungsvorgang des Organismus, der durch Änderungen im zentralen und autonomen Nervensystem und in verschiedenen Hormonsystemen gekennzeichnet ist. Jede Nacht durchlaufen wir verschiedene Schlafphasen. Leichtschlaf – Tiefschlaf – Traumschlaf.

Ein solcher Zyklus dauert etwa 90 Minuten und wiederholt sich vier bis sechs Mal pro Nacht. In der ersten Nachthälfte haben wir mehr Tiefschlaf, gegen Morgen wird der Schlaf seichter, der Traumschlaf nimmt zu. Optimal wären etwa 7 bis 9 Stunden Schlafzeit. Frauen benötigen ca. eine Stunde mehr Schlaf als Männer.

Weshalb schlafen wir?

Dies ist uns auch heute noch nicht vollständig bekannt und bedarf noch viel Forschung. Schlaf dient jedenfalls unserer Regeneration. Er macht uns leistungsfähig für den nächsten Tag. Ist unser Schlaf nicht erholsam, ist unsere Leistungsfähigkeit am folgenden Tag reduziert.

Schlafexperten kennen sowohl Kurz- als auch Langschläfer. Dies ist durch innere Zeitgeber ebenso genetisch reguliert wie der Unterschied zwischen Morgen- und Abendmenschen (sog. Lerchen bzw. Eulen). Erstere springen morgens energisch aus den Federn, letztere quälen sich aufzustehen. Am Abend ist es umgekehrt. Lerchen fallen erschöpft früh ins Bett, Eulen werden abends erst aktiv.

Was stört unseren Schlaf?

Die Somnologie kennt heute fast 100 verschiedene Schlafstörungen. Dazu gehören akute sowie chronische Schlafstörungen, z.B. Schlafmangel, Schlafapnoe, das restless-legs-syndrome, Schlafwandeln, Jetlag, Albträume und vieles mehr.

Unsere Schlafdauer und -qualität wird auch von Außen beeinflusst, etwa durch Licht, Lärm, Schichtarbeit, unser Bett oder persönliche Probleme. Die Produktion des Schlafhormons Melatonin ist lichtabhängig. Im Winter mit weniger Tageslicht beginnt die Melatoninbildung früher, ist unser Schlafbedürfnis höher. Fernsehen oder Arbeit am Computer bis spät in die Nacht hemmt die Melatoninproduktion, Einschlafen wird erschwert.

In der Annahme, länger schlafen zu müssen, werden weltweit täglich Milliarden an Schlaftabletten eingenommen.

Straßenlärm, lautes Schnarchen des Partners wirken sich ebenso negativ aus wie ein unregelmäßiger Tagesablauf durch wechselnde Schichtarbeit. Schlechte Matratzen führen eher zu einer Ver- als Entspannung unserer Muskulatur. Sorgen behindern uns beim Ein- und Durchschlafen.

Besonders Ältere leiden unter chronischen Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie). Im höheren Alter nehmen physiologisch sowohl der Schlafbedarf, die Schlafqualität und –tiefe ab. In der Annahme, länger schlafen zu müssen, werden deshalb weltweit täglich Milliarden an Schlaftabletten eingenommen.

Die obstruktive Schlafapnoe – eine Atemstörung im Schlaf mit wiederholten Atempausen und Sauerstoffmangel – bildet ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall im Schlaf. Nach neueren Untersuchungen sind 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen davon betroffen. Eine begünstigende Rolle spielt die zunehmende Adipositas in unserer Gesellschaft.

Müdigkeit, verursacht durch Schlafstörungen und Schlafmangel, verringert nicht nur unsere Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz, sondern auch im Straßenverkehr. Der von vielen missachtete Sekundenschlaf erhöht das tödliche Unfallrisiko um das 7- bis 15-fache.

Wann soll man Aufstehen?

Die Antwort ist einfach. Dann, wenn man ausgeruht erwacht. Leider berücksichtigen unsere starren Arbeitszeiten derzeit die Chronobiologie des Einzelnen noch nicht. Besonders nachtaktive Menschen werden morgens durch den Wecker aus dem Schlaf gerissen, um rechtzeitig, aber unausgeschlafen und (noch) nicht leistungsfähig, am Arbeitsplatz zu erscheinen. Doch wer weiß, vielleicht wird sich das einmal aufgrund neuerer Forschungsergebnisse zukünftig ändern.

Liebe LeserInnen! Aus diesen Zeilen ersehen Sie, wie wichtig erholsamer Schlaf für unser tägliches (Über-)Leben ist. Selbstverständlich können hier nicht alle Probleme, die zu nichterholsamem Schlaf führen, ausführlich besprochen werden. Dieser Ratgeber soll als kleiner Anstoß dienen, wie Sie Ihren Schlaf positiv beeinflussen könn(t)en. Sollten Sie an chronischen Schlafstörungen leiden, nehmen Sie bitte Kontakt mit Ihrem Hausarzt auf, damit er Sie zu einem Spezialisten überweist.

Somit darf ich Ihnen einen gesunden, guten Schlaf wünschen,

Dr. Wolfgang Mallin