Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk, das uns dabei hilft, Krankheitserreger zu bekämpfen. Unregelmäßigkeiten bei seiner Regulation führen zu falschen Immunreaktionen, deren Folgen Gewebeschäden und Krankheiten sind.

Ein zweiteiliges Abwehrsystem

Die Verteidigung durch das Immunsystems ist auf zwei Ebenen aufgeteilt. Die erste Verteidigungslinie wird durch die angeborene Immunität gebildet. Sie ist eine sofortige, unspezifische Reaktion und besteht aus mehreren Schutzmechanismen. Neben physischen (Haut), chemischen (saurer Mageninhalt) und biologischen (gesunde Darmflora) Barrieren unseres Körpers spielen Moleküle und Zellen (z.B. Makrophagen) eine wichtige Rolle beim Erkennen und Zerstören pathogener Mikroorgansimen.

Wenn das angeborene System nicht ausreicht, wird das adaptive Immunsystem aktiviert. Diese zweite Verteidigungslinie braucht allerdings mehrere Tage bis Wochen, bis sie voll funktionsfähig ist. Die adaptive Immunität ist spezifisch gegen ein bestimmtes Pathogen gerichtet und trägt zu unserem immunologischen Gedächtnis bei.

Wenn das Immunsystem versagt

Ein effektiver Schutz gegen Pathogene ist immer nur dann gewährleistet, wenn das angeborenen und adaptive Immunsystem richtig zusammenarbeiten. Besonders dramatisch ist das zu beobachten, wenn eines der beiden Immunsysteme geschädigt ist. Ein typisches Beispiel ist AIDS. Bei dieser Erkrankung werden bestimmte Zellen vom HI-Virus befallen und zerstört. Die Folge ist die Unfähigkeit des Immunsystems, Pathogene zu erkennen und zu zerstören. An sich harmlose Sekundärinfektionen können dann zum Tod führen. Ein defektes Immunsystem kann auch zur Folge haben, dass Krebszellen im frühen Entwicklungsstadium nicht mehr richtig erkannt und zerstört werden.

Wenn das Immunsystem entgleist

Als „friendly fire“ bezeichnet man in der Kriegsführung den irrtümlichen Beschuss durch die eigenen Streitkräfte. Genau das kann auch dem Immunsystem passieren, nämlich dann, wenn es entweder körpereigene Zellen angreift oder auf harmlose Umweltsubstanzen reagiert. Im ersteren Fall spricht man von Autoimmunität, im letzteren Fall von Allergie.

Autoimmunerkrankungen können jedes Organ betreffen. Bei der Multiplen Sklerose wird z.B. die Schutzhülle der Nervenzellen vom eigenen Immunsystemangegriffen und zerstört. Die Folge ist die Unterbrechung der Kommunikation zwischen Gehirn und dem Rest des Körpers. Beim systemischen Lupus erythematosus werden Haut, Nieren und andere Organe angegriffen.

Unser Immunsystem sorgt für maximale Verteidigung gegen eindringende Pathogene bei gleichzeitig maximalem Schutz unserer eigenen Zellen und Organe

Obwohl Allergien und Asthma an sich keine Autoimmunerkrankungen sind, sind sie doch die Folge einer fehlgeleiteten Immunantwort. Von einer Allergie spricht man, wenn an sich harmlose Substanzen wie Pflanzenpollen, Tierhaare oder Hausstaub eine Immunantwort erzeugen. Personen mit einer Prädisposition für Allergien reagieren auf einen solchen Stimulus mit der Überproduktion von IgE-Antikörpern, die wiederum die Freisetzung von Histamin bewirken. Histamin ist für die typischen Symptome einer Allergie verantwortlich. Wenn eine allergieauslösende Substanz direkt in den Blutstrom gelangt, z.B. bei einer Penicillininjektion, kann die plötzliche Ausschüttung großer Mengen Histamin zu einer lebensbedrohenden Situation, dem anaphylaktischen Schock, führen.

In den letzten 50 Jahren hat die Verbreitung von allergischen Erkrankungen deutlich zugenommen. Mittlerweile sind bereits bis zu 50 Prozent der Kinder im Schulalter gegen eines oder mehrere Allergene sensibilisiert. Zur Zeit kann auch eine Veränderung der Allergiemuster beobachtet werden. Während bis vor wenigen Jahren Asthma und allergische Rhinitis (Heuschnupfen) dominierten, beginnen nun Nahrungsmittelallergien immer wichtiger zu werden. Die Gründe dafür sind unklar, aber jüngste Studien lassen vermuten, dass veränderte Ernährungsgewohnheiten, Lebensstil und bestimmte Umweltfaktoren dabei eine wichtige Rolle spielen.