Was ist aus Ihrer Sicht bei der Thematik Stress, Burn-out und Depression das Wichtigste?

Das allerwichtigste ist, dass Burn-out als echte Erkrankung anerkannt wird. Manche Psychiater sehen das noch nicht so, halten es für eine Depression. Dem muss man entgegentreten und Burn-out als eigene Erkrankung erläutern. Depressionen spielen dabei schon eine Rolle, aber Burn-out ist sicherlich arbeitsbedingt entstanden.

Welche Rolle spielt der Schlaf dabei?

Der Schlaf ist wie ein Seismograph und reagiert insofern auch auf Depression, wo er auch Symptom ist. Gleichzeitig begleiten Schlafstörungen und Schlafprobleme ein Burn-out, das sind sogar Früherkennungsmerkmale. Vor einigen Jahren habe ich bei einer Studie der Arbeiterkammer mitgewirkt. Da hat sich klar gezeigt, dass Schlafprobleme, wie nicht mehr durchschlafen können, mögliche Warnsignale in Richtung Burn-out darstellen.

Wie kann man das rechtzeitig erkennen? Gibt es so etwas wie Schlafanalysen?

Ja, die gibt es – da muss man allerdings trennen. Es existieren einige, ich nenne es einmal so, Gimmicks wie diverse Apps, wo mir das Handy in der Früh sagt, wie ich so geschlafen habe. Das ersetzt natürlich keine Untersuchung, aber es hilft, ein Bewusstsein zu bilden und untersucht banale Dinge wie geschlafen oder nicht geschlafen, gibt eine Richtung zu erkennen und unterstützt, den eigenen Schlaf über einen längeren Zeitraum zu beobachten.

Eine echte Analyse müsste aber in einem Schlaflabor durchgeführt werden. Wenn die App einen Patienten dazu bringt, sich gegebenenfalls näher anschauen zu lassen, dann hat sie schon recht gute Dienste geleistet. Manchmal sind es auch internistische Ursachen wie Bluthochdruck – bitte anschauen lassen.

Welche Rolle spielt der Schlafplatz dabei?

Manches davon gehört vielleicht in den Wellnessbereich, ist aber nicht unwichtig. Ganz klar: Schlafzimmer und Arbeitsplatz, das gehört nicht zusammen. Also möglichst alles Elektronische raus – Computer, Fernseher, Tablet. Die Versuchung, auf’s Handy zu schauen ist groß, nur strahlt das halt blaues Licht ab und hält vom Schlafen ab. Das Schlafzimmer sollte wirklich Ruhezone sein.

Viele Menschen setzen sich vor den Fernseher oder trinken ein Bier, wenn sie nicht einschlafen können. Wie sehen Sie das?

Eine Schlafstörung an sich ist oft ein Stress- oder Überlastungssymptom, aber deshalb nicht gleich eine Depression oder ein Burn-out. Ernst nehmen sollte man sie aber. Insofern halte ich es auch nicht für realistisch, das Fernsehen am Abend zu verbieten: Die Menschen tun es ja sowieso. Nur sollte man ihn halt schon rechtzeitig abdrehen und dann einschlafen.

Vom Alkohol rate ich aber sehr ab. In diesem Zusammenhang wirkt er wie ein Schlafmittel – da kann ich dann aber gleich die Tablette nehmen. Alkohol wirkt betäubend, das hat aber Auswirkungen auf das Schlafmuster. Würde es bei einem Seiterl bleiben, wäre es kein Problem, aber das Suchtpotenzial ist schon ein Problem.

Welche Methoden gibt es, mit denen man das Einschlafen erleichtern kann?

Ich biete dazu autogenes Training an, mit dem man sich selbst helfen kann und das ein bisschen in Richtung Selbsthypnose geht. Außerdem gibt es die Variante des Biofeedbacks. Dabei werden biologische Vorgänge mit technischen Hilfsmitteln beobachtbar gemacht, was wiederum Aufschluss über diverse Therapiemöglichkeiten gibt. Das hilft vielen Menschen und dient der Entspannung.

Haben Sie noch weitere Tipps für Menschen, die sich mit dem Einschlafen schwertun?

Eine Idee, die immer wieder gut funktioniert: Wenn man vor lauter Gedanken nicht einschlafen kann, hinsetzen und niederschreiben, zu Papier und damit aus dem Kopf bringen. Dadurch sind sie auch geordnet – und vielleicht ist etwas Gutes dabei, immerhin ist die Nacht auch eine Kreativzeit. Entlasten können Sport oder psychotherapeutische Gespräche.

Ein strukturierter Tagesablauf kann helfen, entspannter zu sein – Zeitmanagementseminare und sich abgrenzen lernen sind da Stichworte. Manchmal eine Auszeit vom Alltag nehmen, ausspannen, auch in einer speziellen Einrichtung. Atemübungen entspannen – und manchmal kann es sein, dass man zu perfektionistisch ist, also einfach einmal „Fünf grade sein lassen!“, wie man so schön sagt.