Herr Dr. Düren, was spürt jemand, der unter unspezifischen Rückenschmerzen leidet?

Es sind meist eher dumpfe Schmerzen, die von der Rückenmuskulatur ausgehen. Also nicht von den knöchernen Strukturen der Wirbelsäule. Bei bestimmten Bewegungen wie Drehungen tut es weh. Aber auch während der Nacht sind die Schmerzen permanent vorhanden, was den Betroffenen auch den Schlaf rauben kann. Man kann jedoch die Schmerzen kaum lokalisieren. „Wenn man hier draufdrückt, dann tut es weh“ – so etwas können die Betroffenen kaum behaupten. Vielmehr ist es so, dass heute die linke Seite schmerzt, morgen ist es die rechte. 70 Prozent der Menschen erleiden diese Art von Schmerzen zumindest einmal in ihrem Leben. Der unspezifische Rückenschmerz ist die häufigste Ursache für eine Arbeitsunfähigkeit.

Was wäre denn ein spezifischer Rückenschmerz?

Zum Beispiel der Schmerz bei einem Bandscheibenvorfall. Ein Schmerz, der plötzlich einschießt und bis ins Bein ausstrahlt, oft auch Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen macht. In diesem Fall lässt sich die Ursache lokalisieren, zum Beispiel die beschädigte Bandscheibe zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel.

Welche Ursachen kommen bei unspezifischen Rückenschmerzen in Frage?

Eine Hauptursache ist mangelnde Bewegung und unsere sitzende Lebens- und Arbeitsweise. Dafür sind wir Menschen einfach nicht geschaffen. Wir haben uns evolutionär gesehen vom Vierfüßler zum Zweifüßler entwickelt, der nahezu immer auf den Beinen war. Jetzt aber sitzen wir permanent, am Arbeitsplatz, im Auto, vor dem Fernseher. Dazu kommen noch Faktoren wie Übergewicht und eine zu schwach ausgebildete Rückenmuskulatur, die durch Fehlhaltungen wie dem Sitzen allzu leicht verspannt, verhärtet oder verkürzt.

Was soll man tun, wenn der Rücken schmerzt?

Auf alle Fälle nicht schonen, sondern sich dezent bewegen. Also spazieren gehen, Rad fahren oder schwimmen. Das lockert die verspannte Muskulatur. Man kann es auch mit Wärme versuchen, zum Beispiel in Form von Wärmepflastern oder mit der guten alten Wärmflasche. Sehr günstig wirken sich auch Entspannungsmethoden aus. Oder naturheilkundliche Verfahren wie die Enzymtherapie, bei der bestimmte pflanzliche oder tierische Eiweiße zum Einsatz kommen. Diese Dinge gehören aber in die Hand eines Arztes!

Die Verlockung ist groß, rezeptfreie Schmerzmittel in Eigenregie zu schlucken.

Vorübergehend kann man es mit Entzündungshemmern aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika versuchen. Aber wirklich nur vorübergehend, denn diese Medikamente haben auch beträchtliche Nebenwirkungen, die den Magen-Darm-Trakt oder die Nieren betreffen.

Wann sollte man unbedingt den Arzt aufsuchen?

Wenn die Schmerzen zu stark sind, beziehungsweise wenn nach etwa zwei bis vier Wochen keine Besserung eingetreten ist. Denn unspezifische Rückenschmerzen dauern in der Regel zwischen zwei und vier Wochen.