Dr. Bernd Reininghaus
Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Chefärztlicher Dienst der BV

Die Erkrankung ist die Folge von Überlastung und führt unbehandelt zur Arbeitsunfähigkeit.

In den 1970er Jahren wurde das Burn-out Syndrom noch als Erkrankung der Fleißigen in helfenden Berufen angesehen. Heute steht der Begriff vielmehr für eine definierte psychische und körperliche Folgeerscheinung der mangelnden Komplexitätsbewältigung unserer zivilisierten Gesellschaft. Entstehung und Verlauf sind schleichend und können über Jahre andauern. Körperliche Symptome können Schwächegefühl, Mattigkeit und erhöhte Infektanfälligkeit sein. Psychische Indikationen stellen sich als Unruhe oder Antriebslosigkeit, gereizte oder traurige Stimmung, Angstgefühle, Lustlosigkeit, Motivationsverlust und kognitive Störungen dar. „In der Vollausprägung zeigt das Burn-out alle Symptome einer schweren Depression bis hin zur Suizidalität und ist wie diese als eine schwere psychische Störung einzustufen“, erklärt Dr. Bernd Reininghaus, Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin.

Risikofaktoren für ein Burn-out

Einzelne Auslöser für das Burn-out verantwortlich zu machen, wäre falsch, da es sich um einen schleichenden Prozess handelt, bei dem viele Faktoren zusammenspielen. Definitionsgemäß liegt dem Burn-out eine (berufliche) Überlastung zugrunde. Im Arbeitskontext werden Werteinkongruenz, schlechtes Arbeitsklima, das Nicht-Entscheiden-Können über eigene Arbeitsinhalte sowie fehlende Wertschätzung der eigenen Arbeit als Burn-out-fördernde Faktoren gesehen. Burn-out liegt aber auch in der Persönlichkeit des Betroffenen. Perfektionismus, Altruismus und überhöhte Ansprüche begünstigen das Entstehen der Krankheit. Diese sind alleine jedoch nicht ausreichend, entscheidend ist der Mangel an Selbstreflexion. „Frühwarnzeichen werden übersehen, vorhandene Ressourcen vergessen, Symptome werden mehr und stärker, das Energielevel sinkt, es kommt zu einem Leistungsabfall, es folgen Unzufriedenheit und Frustration – wir sind mittendrin in der Burn-out-Spirale“, so Dr. Reininghaus.

Früherkennung und Behandlung

In einem späteren Stadium der Erkrankung ist, aufgrund der kognitiven Einschränkung und anderer depressiver Symptome, ein Gegensteuern aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Zum Arzt gehen kann man jedoch immer, zur Not auch mit Hilfe der Rettung. Es liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen, es gar nicht so weit kommen zu lassen und durch eine gesunde Lebensweise und eine selbstreflektierende Haltung für sich selbst zu sorgen. Das Vollbild der Erkrankung ist entsprechend als schwere Depression in einer psychiatrischen Abteilung zu behandeln.