Zwei Fragen beschäftigen die Menschen seit jeher: Wieviel Schlaf ist genug? Und kann man Schlaf nachholen? Für beide Fragen gibt es gute Antworten, die aber nicht immer ganz deckungsgleich sind und Interpretationsspielraum offenlassen.

Wir beurteilen heute in der Medizin den Schlaf durch Auswertung der Signale, die während des Schlafes in einem Schlaflabor erfasst werden. Im Wesentlichen werden hier Schlafstadien bestimmt, deren Menge, zeitliches Auftreten und Periodik den Schlaf recht gut beschreiben.

Trotzdem kann es auch bei einem unauffälligen Hypnogramm (graphische Darstellung des Schlafs) zu subjektiv empfundenen Schlafstörungen kommen, die manchmal besser erst durch eine ausführliche Befragung zum Schlafverhalten ans Tageslicht kommen. Demnach sind nicht unbedingt die Schlafdauer und gemessene Schlafqualität aussagekräftig, sondern die Erkenntnis, ob man am nächsten Morgen erholt und gut ausgeruht das Bett verlässt.

Ursachen für Schlafmangel

Versäumter Schlaf kann nicht nachgeholt werden. Allerdings können die Folgeerscheinungen eines akuten Schlafmangels wie Gereiztheit, Konzentrationsschwäche usw. durch erholsamen Schlaf in den folgenden Tagen wieder beseitigt werden. Hierbei muss man aber den akuten Schlafmangel wie z.B. nach ausgelassenem Feiern oder postoperativen Schmerzen von chronischem Schlafmangel unterscheiden.

Hier persistieren die Symptome, da sich ja an der Ursache über lange Zeit nichts ändert. Daher steht hier die Ursachenbekämpfung im Vordergrund.

Wer gut und erholt schlafen möchte, sollte unbedingt die gut bekannten zehn Punkte der Schlafhygiene beachten, die vor allem auf die Umgebungsbedingungen wie auch die schlaffördernden und schlafstörenden Punkte zum Schlafen eingehen.

Schlafprobleme ...

Menschen, die viel grübeln, leiden oft auch an Ein- und Durchschlafstörungen. Gedankenflucht, Stress und Existenzängste, um hier nur einige zu nennen, sind viel schwerer zu bekämpfen als kurzzeitige Schmerzen. Und wer unter Albträumen leidet, kommt meist nicht ohne die Hilfe einer Gesprächstherapie aus.

... von jung

Der Schlaf stellt auch bei unserer schulpflichtigen Jugend ein zentrales Thema dar. Zu umfangreich sind die elektronischen Ablenkungen, die abends vom Schlafengehen abhalten. Schweres Aufstehen und Konzentrationsschwäche können dann genauso zum Problem werden wie Wachstumsstörungen.

... sensibel

Eine derzeit aktuelle Problematik ist die zuletzt viel diskutierte Umstellung auf Sommer-/Winterzeit. Robuste Menschen vertragen den Wechsel recht gut, wohingegen sich sensible Menschen mitunter nur mühsam anpassen können und vor allem bei Umstellung auf die Winterzeit zu Unfällen neigen.

... und alt

Da viele, vor allem ältere Menschen an Schlafstörungen leiden, ist der Griff zu einem Medikament oft schon der erste Schritt. Da die Schlafmedizin sehr unterschiedliche Therapieansätze bietet, sollte immer zuerst der Kern der Schlafstörung durch einen Fachmann erhoben und zunächst eine möglichst nicht-medikamentöse Therapie begonnen werden.

SAS

Und schließlich gibt es auch noch die große Gruppe der schlafbezogenen Atemstörungen, deren namhaftester Vertreter das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom ist. Erste Anzeichen dafür können auffallende Schnarchgeräusche sein, oft wird aber auch von einem Hochschrecken aus dem Schlaf mit Panikgefühl oder gar von fremdbeobachteten Atempausen berichtet.

Durch die zahlreichen wiederkehrenden Atempausen (oft mehrere hundert pro Nacht) und den damit verbundenen kurzen Aufweck-Alarmsituationen kommt es zu einer starken Fragmentierung des Schlafs, was schließlich zu den Folgen des chronischen Schlafentzuges führt. Unbehandelt finden sich im Laufe der Zeit mitunter schwere Herz-Kreislauferkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und Schlaganfall.

Dementsprechend lauten die ärztlichen Empfehlungen, insbesondere bei chronischen Schlafstörungen, mit dem Arzt seines Vertrauens ein klärendes Gespräch zu führen, der dann besser entscheiden kann, welcher Spezialist im weiteren kontaktiert werden sollte.