Sie waren bereits in Peking 2008 und in London 2012 bei den Paralympics am Start. Wie sind Sie zum Leistungssport gekommen?

Das habe ich nicht von einem Tag auf den anderen entschieden, sondern das war vielmehr ein längerer Prozess. Ich betreibe seit ich klein war Sport und bin seit ich acht Jahre alt war in der Leichtathletik aktiv. Angefangen bei einmal wöchentlichem Training hat sich das auf zweimal, dann dreimal wöchentlich gesteigert, bis ich dann mit 16 Jahren für ein Jahr auf eine Highschool in die USA gewechselt habe.

Das war eine Art Wendepunkt, wo ich fünfmal die Woche trainiert und am Wochenende Wettkämpfe bestritten habe. Als ich dann zurück nach Österreich gekommen bin, habe ich das beibehalten. Das war der erste Schritt rein in den Leistungssport. Bis dorthin habe ich aber keinen Behindertensport gemacht, sondern war bei einem ganz normalen Leichtathletikverein in Salzburg dabei.

Vor den Spielen in Peking habe ich gesehen, dass ich mit meinen Leistungen über 400 m bei den Paralympics vorne mitlaufen kann. So bin ich dann in das Ganze reingekommen und habe mich bei der WM 2007 für meine ersten Spiele 2008 in Peking qualifiziert.

In London haben Sie sowohl die 400 m als auch die 800 m gewonnen. Welche Ziele setzen Sie sich für Rio?

Es sind ganz andere Ziele als vor vier Jahren. London war für mich extrem erfolgreich, das hatte ich mir im Vorhinein gar nicht erwartet. In dieser Form wird das diesmal sicher nicht möglich sein, da die 800 m aus dem Programm für Rio herausgenommen wurden. Das heißt, ich werde mich voll auf die 400 m konzentrieren. Ich sehe mich da aber nicht unbedingt in der Favoritenrolle, bei der WM im letzten Jahr war ich Fünfter.

Aber ich habe gut trainiert und kann sicherlich vorne mitmischen. Eine Medaille aus Rio mitzunehmen, wird aber sehr schwierig. Dafür werde ich wohl persönliche Bestleistung laufen müssen, da wird die Zeit von London nicht reichen. Das ist aber trotzdem mein großes Ziel für Rio: Bestleistung zu laufen, und dann schaut es glaube ich ganz gut aus. Gegenüber London sind aber neue Gegner dazugekommen, die mir das Leben sicherlich nicht unbedingt leichter machen werden.

Wie bereiten Sie sich auf einen so großen Wettkampf vor?

Im Prinzip ist die ganze Vorbereitung ein langer Prozess. Eigentlich bereitet man sich jahrelang auf so ein Ereignis vor. Für diese Saison hat das konkret im Januar begonnen, wo ich bewusst auf eine Hallensaison verzichtet habe. Stattdessen habe ich sehr umfangreich trainiert, das heißt, ich bin im Winter viele Kilometer gelaufen, bin viele Intervalle in einem niedrigen Intensitätsbereich gelaufen und habe dann die Saison im Mai gestartet.

Da habe ich dann einige Wettkämpfe bestritten und dann einen Zyklus zwischen Rennen und wettkampffreien Phasen, in denen ich intensiv trainiert habe, eingehalten. Bislang hat das sehr gut funktioniert und ich denke, für die Spiele in Rio wird das sehr gut passen.

Das tägliche Training besteht aus einer Haupteinheit von zwei bis drei Stunden. Das Training findet auf der Laufbahn statt, beginnt mit einem Aufwärmprogramm, mit Laufschule, Koordination und dann meistens Läufen zwischen 60 und 300 Metern mit mehreren Wiederholungen und dazwischen kurzen Pausen. Das Tempo variiert dabei von mittel bis extrem hoch, damit ich mich an die Belastungen für die 400 m gewöhnen kann.

Wie wichtig ist es für Sie, Sportverletzungen präventiv zu begegnen?

Verletzungen zu vermeiden, ist das Um und Auf, denn jede noch so kleine Verletzung wirft einen in seinen Vorbereitungen sehr weit zurück. Mein Trainer ist daher sehr erpicht darauf, dass ich da extrem aufpasse. Sobald ich spüre, dass etwas nicht ganz stimmt, nehme ich mich beim Training sofort zurück, vermindere die Intensität, lege einen Pausentag ein oder mache alternatives Programm.

Das ist sicher ein Schlüssel, dass man gut in seinen Körper hineinhört und man nicht drauf bleibt und weitertrainiert, wenn man merkt, dass sich möglicherweise eine Verletzung anbahnt. Zudem arbeite ich mit zwei tollen Physiotherapeuten zusammen, die mir da sehr viel weiterhelfen. Gerade im Laufbereich ist die Gefahr von Überbelastungen und chronischen Verletzungen besonders hoch.

Den Fehler machen Viele, dass sie kleine Wehwehchen übergehen, die dann aber zu chronischen Problemen werden.

Hat sich Ihr Alltag durch den Sport stark verändert?

Früher war es so, dass der Sport um den Alltag, also Schule bzw. dann Beruf, organisiert war. Seit 2013 bin ich Profi und dadurch hat sich das genau umgekehrt. Ich schaue darauf, wann ist das beste Trainingswetter, wann bin ich am besten regeneriert und organisiere mein restliches Leben quasi um den Sport. Das ist sicherlich der größte Unterschied zum Amateur.

Als ich noch in der Bank gearbeitet habe, war es mir einfach nicht im gleichen Ausmaß möglich, mich auf den Sport zu konzentrieren. Wäre ich dort geblieben, hätte ich wohl auch Karriere gemacht und andere Erfahrungen mitgenommen. Aber generell kann man schon sagen, dass mir der Leistungssport extrem viel mitgibt, vor allem an Disziplin und an Selbsterfahrung.

Gleichzeitig kommt man sehr viel in der Welt herum, fährt zu Wettkämpfen und lernt andere Athleten kennen. Das ist in jedem Fall etwas, das ich nicht missen möchte.

Auch wenn Rio erst vor der Tür steht, haben Sie schon Pläne und Ziele für die Zeit danach?

Bis jetzt liegt mein Fokus auf Rio, aber es gibt sicher einiges, was ich danach machen möchte. Im Winter stehen die Halleneuropameisterschaften der Nichtbehinderten auf dem Programm. Der Wettkampf über 800 m reizt mich sehr, mich dafür zu qualifizieren, ist sicher eine Hammeraufgabe. Da muss ich meine Bestleistung um 1,7 Sekunden steigern, aber darauf möchte ich im Herbst hintrainieren.

Ansonsten habe ich neben meiner Sportlaufbahn eine Firma gegründet, das werde ich in nächster Zeit sicherlich vorantreiben und auch nach meiner aktiven Karriere weiterführen.