Sportverletzungen passieren oft schneller, als man denken kann. Sind immer nur Missgeschicke schuld oder beispielsweise auch unzureichendes Aufwärmen?

In 20 Prozent der Fälle sind tatsächlich Missgeschicke ursächlich, etwa wenn sich ein Geländeläufer „verknöchelt“ und sich aufgrund dessen eine Sprunggelenksverletzung zuzieht. In 80 Prozent der Fälle sind aber andere Ursachen verantwortlich, beispielsweise unzureichendes Aufwärmen, übermäßiger Ehrgeiz sowie mangelndes oder falsches Training, das nicht zum Ziel gepasst hat.

Das heißt, man könnte eigentlich einen Großteil der Sportverletzungen verhindern?

Ja, davon bin ich überzeugt!

Welche Möglichkeiten der aktiven Verletzungsprävention gibt es für SportlerInnen bzw. HobbysportlerInnen?

Zunächst würde ich HobbysportlerInnen und SportlerInnen in einem Atemzug erwähnen. Für den individuellen Organismus ist das Ziel genauso aufwändig oder mühsam zu erreichen. Der Profisportler hat vielleicht ein anderes Grundtraining, aber das Ziel ist von seiner Basis aus gesehen auch weit entfernt. Prävention von Sportverletzungen besteht für mich ganz allgemein gesprochen darin, den Organismus langsam an die Belastung heranzuführen.

Die Prävention besteht nicht nur aus Kraftgewinn oder Muskeltraining, sondern vor allem auch aus Koordinationstraining der einzelnen Muskelgruppen, die ein Gelenk umgeben: Sei es beim Tennisspielen Schulter, Ellenbogen und Hand oder beim Fußballer Hüfte, Knie und Sprunggelenk.

Häufige Sportverletzungen sind z.B. Bänderzerrungen oder Bänderrisse. Muss man dann immer gleich operieren?

Eine Bänderzerrung ist ebenfalls ein Bänderriss, aber auf inkompletter Basis. Von einem Abriss sprechen wir wenn 100 Prozent aller Fasern abgerissen sind. Der Unterschied zwischen Zerrung und Bandabriss ist also nur das Ausmaß der Schädigung. Operiert werden muss immer dann, wenn beide Bandenden durch eine konservative Therapie nicht mehr zusammengeführt und zusammenwachsen können.

Welche Möglichkeiten bietet die minimalinvasive Chirurgie?

Gerade auf dem Sektor der Sportverletzungen ist die minimalinvasive Chirurgie ganz intensiv im Vormarsch! Die Arthroskopie, die ja in der Sportmedizin eine dominierende chirurgische Behandlungsform darstellt, gibt es schon seit vielen Jahren. Doch die Möglichkeiten werden ständig ausgebaut! Der große Vorteil besteht darin, dass Muskeln in keiner Weise verletzt werden.

Bei der klassischen, offenen OP-Technik muss man meistens den Muskel ablösen und dann wieder an den Knochen anheften, was zu einer Art Defektheilung führt.

Wie kann man nach einer Verletzung wieder schonend aktiv sportlich werden?

Wie rasch man wieder ins aktive Sportleben zurückkehren kann, kommt natürlich auf die Art der Verletzung und der OP an. Die reparierte Struktur muss zunächst heilen. In der anschließenden funktionellen Behandlung kann die geheilte Struktur wieder langsam durch Physiotherapie an die normale Belastung oder eben Sport herangeführt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für PatientInnen mit Arthrose?

Bei Arthrose gibt es Therapien auf medikamentöser Basis, Therapien, die den Knorpelstoffwechsel beeinflussen oder die Möglichkeit, Knorpelzellen zu züchten und ins Gelenk zu implantieren. Eine sehr erfolgreiche Maßnahme ist die Endoprothetik, das heißt der innere künstliche Gelenksersatz.

Inwiefern macht das betroffene Gelenk einen Unterschied?

Die Hüftprothetik wird weltweit schon seit 60 Jahren betrieben. Hier ist man so weit, dass man SportlerInnen sagen kann, die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass man nach einer Hüft-OP wieder Sport auf einem sehr guten Niveau betreiben kann. Anders ist es beim Schultergelenk. Sportliche Betätigung im Sinne von Tennisspielen ist nach einer Schulterendoprothetik eher unwahrscheinlich. Es gibt aber viele GolfspielerInnen, die auch mit einem künstlichen Schultergelenk nach wie vor mit Freude Golf spielen können!