In Österreich und Europa gibt es gerade eine intensive Debatte rund um das Thema Impfungen, in der sich Befürworter und Gegner gegenüber stehen. Warum?

Das liegt daran, dass es innerhalb der Bevölkerung in vielen Ländern einen kleinen Anteil Menschen gibt, der für Mythen sehr empfänglich ist und das Impfen infrage stellt. Hinzu kommt, dass Impfungen die Opfer ihres eigenen Erfolges sind. Dies zeigt sich besonders am Beispiel Masern.

Wenn viele Menschen gegen Masern geimpft sind, dann sind auch jene, die nicht geimpft sind, geschützt. Sobald aber weniger als 80 Prozent der Menschen geimpft sind, können Masernfälle wieder auftreten. Und genau in dieser Situation befinden wir uns derzeit in Europa leider wieder.

Impfen ist also auch ein soziales Thema, weil Schutzimpfungen ja nicht nur Individuen, sondern auch die Gemeinschaft schützen können.

Genau! Vor allem in Osteuropa erleben wir in der letzten Zeit intensive Masern-Ausbrüche, aber auch in Österreich ist es zu einer Reihe von Fällen gekommen, die verhinderbar gewesen wären. In Nord- und Südamerika sind Masern praktisch eliminiert, weil gute Durchimpfungsraten bestehen – unter anderem, weil die Behörden das Thema sehr ernst nehmen und auch in den Schulen der Impfschutz größtenteils kontrolliert wird.

Und das ist in Österreich nicht ganz der Fall, würden Sie sagen?

Eigentlich gar nicht! In Österreich wird das Thema Impfungen völlig opportunistisch gehandhabt. Es steht Eltern frei, ihre Kinder impfen zu lassen oder nicht. Es ist aber gleichzeitig auch die Frage zu stellen, ob Eltern das Recht haben, ein gesundheitliches Risiko für ihre Kinder einzugehen. Wir reden hier von Erkrankungen, die zu schweren Schäden und sogar potenziell zum Tod führen können.

Warum Impfungen wichtig sind? Das ist sehr einfach: Sehr bedrohlichen, zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen steht nur ein kleiner Stich mit geringen lokalen Schmerzen gegenüber.

Gegenüber steht eine irrationale Angst vor sogenannten Impfschäden, die tatsächlich nie beweisbar sind. Der Prozentsatz von Impfverweigerern liegt übrigens bei ca. 5 Prozent. Weitere 10 Prozent sympathisieren, lassen sich aber dennoch teilweise impfen.

Welche Impfungen „funktionieren“ in Österreich gut?

Die Zeckenschutzimpfung ist in Österreich immer an der Spitze. Hier ist von Anfang an sehr gute Informationsarbeit betrieben worden und daraus resultiert eine enorme Beliebtheit. Grundsätzlich funktionieren in Österreich Impfungen, die im Säuglingsimpfprogramm vorgesehen sind, sehr gut. Schwierig wird es im jugendlichen Alter, weil der Kinderarzt nicht mehr besucht wird. Das Schulimpfsystem funktioniert manchmal gut und manchmal eben nicht. Dadurch entstehen Impflücken – wie bei Masern, aber auch im Rahmen der HPV-Impfung.

Stichwort HPV: Können Sie unsere LeserInnen dazu aufklären?

Die HPV-Impfung schützt vor Infektionen mit krebserregenden Papillomaviren. Diese Viren können bei Frauen und Männern insgesamt fünf verschiedene Krebsarten auslösen. Die häufigste dabei ist der Gebärmutterhalskrebs. Aber auch Rachenkarzinome, Analkarzinome, Peniskarzinome, Vulvakarzinome oder Scheidenkarzinome können auftreten.

Wir haben seit zwei Jahren einen Impfstoff, der praktisch 90 Prozent dieser Fälle eliminieren kann – wenn breit geimpft wird. In der Schule haben wir mittlerweile ca. 60 Prozent Durchimpfungsraten in der 4. Klasse Volkschule erzielt. Das ist gut, aber noch nicht gut genug, weil wir über 80 Prozent und außerdem noch mehr Jahrgänge erreichen müssen.

Wie wichtig sind Impfungen oder anders gefragt: Wie würden Sie Impfgegnern erklären, warum sie sich bzw. ihre Kinder impfen lassen sollten?

Warum Impfungen wichtig sind? Das ist sehr einfach: Sehr bedrohlichen, zum Teil lebensbedrohlichen Erkrankungen steht nur ein kleiner Stich mit geringen lokalen Schmerzen gegenüber!