Warum ist ein guter Schlaf eigentlich so wichtig für unseren Körper?

Man hat in den letzten Jahren entdeckt, dass der Schlaf eine der ganz wichtigen Quellen für die Regeneration des Körpers und der Gesundheit ist. Denn Schlafstörungen können die Entstehung schwerer Erkrankungen begünstigen. Man weiß beispielsweise, dass bei Nacht- und Schichtarbeit, die den Schlafrhythmus deutlich stören, eine 50-prozentige Erhöhung des Brust- und Prostatakrebsrisikos zu beobachten ist. Auch das Herzinfarktrisiko nimmt um 30 Prozent zu.

Also ist es für den Körper sehr wichtig, gut zu schlafen?

Guter Schlaf kommt das dem Körper sehr zugute. Alle Erkrankungen, bei denen Entzündungen eine Rolle spielen, bessern sich durch guten Schlaf. Vor einigen Jahren hat man einen Zusammenhang entdeckt, der über den Vagus-Nerv geht. Der Vagus-Nerv wird während der Nacht besonders aktiviert. Dieser Nerv hat eine wichtige entzündungshemmende Funktion.

Und damit kann eine stille Entzündung, die als Ursache für zahlreiche Erkrankungen erkannt wurde, „gelöscht“ werden. Man kann sich das ein wenig wie ein Sparbuch vorstellen, das wir am Beginn unseres Lebens mitbekommen und das gefüllt ist mit Lebensenergie. Im Laufe eines Lebens wird davon abgebucht, einmal schneller, einmal langsamer. In der Regel reicht das für 70 bis 90 Jahre. Und zurückbuchen kann man eigentlich nur im Schlaf. 

Also ist das berühmte „Durchmachen“ ganz schlecht?

Wenn man nicht schläft, wird man innerhalb weniger Tage psychotisch. Man bekommt Halluzinationen und ist nicht mehr wirklich bei sich. Schlaf ist sogar wichtiger als Essen. Man kann bis zu 40 Tage lang ohne Essen, aber keine 40 Tage ohne Schlaf auskommen.

Aus wie vielen Komponenten besteht eigentlich ein erholsamer Schlaf?

Bei einem guten Schlaf werden die Rhythmen des Körpers immer geordnet. Diese Ordnung der Rhythmik äußert sich in der sogenannten Schlaf-Architektur, dem Wechsel von Tiefschlaf und Traumschlaf. Nach dem Einschlafen kommt man zunächst in eine Tiefschlafphase. Darauf folgt nach etwa einer Stunde eine Traumphase und nach eineinhalb Stunden beginnt wieder die nächste Tiefschlafphase.

Im Idealfall wiederholt sich das vier bis fünf Mal in einer Nacht. Beim schlechten Schlaf ist diese Abfolge gestört. Wichtig für einen guten Schlaf ist auch eine hohe Aktivität des Vagus-Nervs. Der liefert uns Entspannung, er entschleunigt das Herz und er fördert auch die Rhythmik des Schlafes.

Also ist die Tiefschlafphase die wichtigste Phase des Schlafs?

In der Tiefschlafphase, in der der Vagus besonders aktiv ist, werden im Gehirn Kanäle geöffnet, die eine Durchspülung der Gehirnrinde ermöglichen. Das Gehirn wird in der Tiefschlafphase sozusagen chemisch gereinigt. Und in den Traumphasen arbeiten wir die Tagesereignisse auf und ordnen sie in unser Gedächtnis ein.

Worauf kommt es eigentlich an, wenn man ein Bett kaufen möchte?

Ganz wichtig ist die Unterstützung der Wirbelsäule an der richtigen Stelle. Die Wirbelsäule sollte, wenn man auf der Seite liegt, gerade gelagert sein. Das Bettmaterial sollte auch in der Lage sein, Feuchtigkeit aufzunehmen, denn wir schwitzen in der Nacht. Da die Körperkerntemperatur im Schlaf abnimmt, ist auch eine gute Decke wichtig, um nicht auszukühlen. Gerade Naturmaterialien sind im Bett sehr wertvoll, weil sie Temperaturen sehr gut ausgleichen können und atmungsaktiv sind.

Auch die Raumtemperatur im Schlafzimmer sollte passen. Etwa 18 bis maximal 20°C erachte ich als optimal.

Wichtig ist auch, dass die Nackenmuskulatur entlastet ist. Der Polster darf nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig und sollte auch nachgiebig sein. Ein weiterer Punkt ist jede Art von Störungen, wie Lärm, Lichter und auch  Elektrosmog, die man vermeiden sollte. Im Schlafzimmer sollte es dunkel sein und vor allem blaues Licht sollte unbedingt vermieden werden. Auch Energiesparlampen und LEDs mit einem hohen Blauanteil im Licht sind fürs Schlafzimmer ungeeignet.