Was hat Sie dazu motiviert, mit zehn lungentransplantierten PatientInnen den Kilimandscharo zu besteigen?

Ich wollte den Menschen und auch den PatientInnen zeigen, was alles möglich ist. Wir haben es nicht nur geschafft, das alles organisatorisch und finanziell auf die Beine zu stellen, sondern es hat auch wirklich gut funktioniert!

Den höchsten Berg Afrikas zu bezwingen, bedarf sicherlich großer Vorarbeiten. Wie lange haben Sie sich darauf vorbereitet?

Es gab schon einmal eine Expedition mit transplantierten PatientInnen, allerdings in einer kleineren Gruppe. Ich habe den Organisator getroffen und mir außerdem von der Lage vor Ort in Tansania ein Bild gemacht. Von der Erstüberlegung über die PatientInnensuche bis zu allen Tests und Trainingsprogrammen hat die Vorbereitung über zwei Jahre in Anspruch genommen. 

Welchen Fragen mussten Sie sich im Vorfeld stellen?

Es ist eine Frage der Machbarkeit. Erstens aufgrund der Belastbarkeit, zweitens auf dieser Höhe und drittens im Sinne des Sicherheitsnetzes bezüglich Infektionskrankheiten und Problemen am Berg. Es kann natürlich jedem, auch einem nicht-transplantierten Expeditionsteilnehmer, etwas passieren. Aber wir haben das in unseren Vorkehrungen berücksichtigt. So haben wir beispielsweise unseren PatientInnen frisches Wasser mit hinaufgetragen, jeden Tag Nierenwerte und das Blutbild gecheckt und eine entsprechende Infektionsprophylaxe verabreicht.

Wie kann man sich so eine Expedition vorstellen, vor allem hinsichtlich medizinischer und technischer Voraussetzungen?

Alle PatientInnen hatte ihre betreuenden Transplant-ÄrztInnen mit, d.h. PulmologInnen, ChirurgInnen, aber auch PharmakologInnen und PhysiotherapeutInnen. Wir hätten quasi für jeden Notfall einen Facharzt mitgehabt. Alle TeilnehmerInnen hatten außerdem eine entsprechend gute Ausrüstung und natürlich alle wichtigen Medikamente mit. Es ist zwar nichts passiert, aber wir waren für alles vorbereitet. Es war alles bestens vor Ort organisiert. Wir hatten sogar unseren eigenen Generator mit, um die Stromerzeugung für unsere medizinischen Geräte in der Nacht zu gewährleisten.

Wie hat die Expedition selbst ausgesehen?

Wir sind sechs Tage hinauf- und zwei Tage hinuntergegangen. Wir haben eine nicht ganz so schnelle Route gewählt, um die Wahrscheinlichkeit der Höhenkrankheit zu reduzieren. Insgesamt haben an unserer Expedition zehn Patienten, 24 Begleitpersonen sowie circa hundert Träger und Guides teilgenommen. Wir sind zwar untertags in vier Gruppen gegangen, aber am Abend waren wir schon ein richtiges kleines Dorf mit unseren vielen Zelten. Wir hatten sogar eigene Trockentoiletten für unsere PatientInnen mit, weil das einfach hygienischer ist. Und es gab jeden Tag frisch gekochtes Essen. Außerdem mussten unsere PatientINnen jeden Abend einen Kraft-, Lungenfunktions- und Bluttest machen und wir haben Schlafscreenings, Muskel- und Ausdauertests am Berg durchgeführt. Das war natürlich eine Überwindung nach all der Erschöpfung.

Der Weg zum Gipfel war also lang und anstrengend. Welche Herausforderungen hat es gegeben?

Die größte Herausforderung war die letzte Etappe. Die meisten waren wirklich gut trainiert und hatten abgesehen von der Anstrengung (fast) keine Probleme. Es war aber vielmehr die Höhe, die Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schlafstörungen hervorgerufen hat. Insgesamt sind wir 17 Stunden bei minus 15 Grad die letzten hundert Meter zum Gipfel gegangen. Nach sechs Tagen körperlicher Anstrengung war das schon echt hart. Aber durch die gegenseitige Motivation haben wir es dann doch – bis auf zwei Ausnahmen – geschafft. Weniger als zehn Prozent „Ausfall“ war für unser Vorhaben wirklich ein guter Schnitt!

Hatten Sie irgendwelche Beatmungsgeräte mit?

Nein, wir haben ja auch nicht erwartet, dass jemand tot umfallen wird, sondern lediglich, dass wir aufgrund unserer Untersuchungen zur Umkehr raten. Wir haben mittels Ultraschall den Sehnerv und das Rippenfell untersucht, da man hier frühzeitig erkennen kann, ob PatientInnen etwa ein Lungenödem oder eine Höhenkrankheit entwickeln. Wir waren also relativ abgesichert und haben alles durchgecheckt. Die PatientInnen waren aber auch sehr gut trainiert und wussten, wie es ist, mehrtägige Wanderungen zu unternehmen. Der Mindestabstand zur Transplantation betrug übrigens ein Jahr – das war auch unser jüngster Teilnehmer mit 23 Jahren. Der älteste war 63 Jahre und bereits 17 Jahre post-transplant.

Ist etwas Ähnliches für die Zukunft geplant?

Der Plan ist, jedes Jahr eine kleinere Wanderung zu unternehmen. Vielleicht nicht in der Dimension des Kilimandscharo, aber dennoch so auf 4000 bis 5000 Metern Höhe, etwa auf den griechischen Olymp. Wir könnten dann auch neue Untersuchungen über Toleranzgrenzen und Probleme am Berg durchführen.

Das klingt nach einer inspirierenden Geschichte, aber auch nach einem großen Kraftakt bei Vorbereitung und Durchführung!

Ja, aber wenn man um sechs Uhr früh am Berg steht und die Sonne gerade aufgeht, dann ist das schon phänomenal! Es war spannend, lustig, aber körperlich waren viele ziemlich am Ende. Trotzdem waren wir am Schluss alle glücklich, dass wir den Kilimandscharo bestiegen haben und absolut gar nichts passiert ist!