Sie sind in vielen verschiedenen Bereichen erfolgreich – als Sängerin, Schauspielerin, Künstlervermittlerin und Intendantin. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Ich bin sehr organisiert! In Zeiten, wie gerade jetzt vor Weihnachten, schlafe ich allerdings nicht viel. Mir fällt oft mitten in der Nacht etwas ein und ich fange dann zu arbeiten an, weil ich Dinge einfach erledigen will und nicht im Kopf mit mir herumschleppen möchte. Ja, es ist wahnsinnig vielfältig und abwechslungsreich, was ich mache, aber auch sehr anstrengend, weil ich immer viele verschiedene Baustellen im Kopf habe.

Stichwort Kind und Karriere: Wie haben Sie es geschafft, sowohl einen Sohn groß zu ziehen als auch Karriere zu machen?

Ich hätte mir gar nicht vorstellen können, zu Hause zu bleiben! Erstens lebe ich davon, dass ich arbeite, und zweitens war meine Mutter damals immer zu Hause bei mir – und das wollte ich auch nicht. Als mein Sohn dreieinhalb Jahre alt war, habe ich wieder am Theater begonnen und habe die darauffolgenden sieben Jahre quasi durchgespielt. Von seinem Vater habe ich mich getrennt als mein Sohn sieben war. Aber ich habe meine Eltern gehabt und ein Kindermädchen, sodass immer jemand bei ihm war. So habe ich das organisiert! Ich bin schon als Kind zur Funktionsmaschine erzogen worden.

Haben Sie das in der Erziehung auch weitergegeben?

Na, gar nicht! (lacht) Ich habe bei meinem Sohn gemerkt, dass mein Weg auch nicht immer der 100 Prozent richtige ist. Zu meiner Zeit war es vielleicht noch leichter, ein Kind in ein Korsett zu zwängen, heute ist das anders. Es gibt verschiedene Zugänge, um an ein Ziel zu gelangen. Man kann zwar Hilfestellungen anbieten, aber ab einem gewissen Alter muss jeder für sich selbst entscheiden.

Vor elf Jahren haben Sie die erste Staffel Dancing Stars gewonnen. Hatten Sie immer schon so ein gutes Körpergefühl?

Ja! Mit drei Jahren habe ich schon begonnen, unter anderem Stepptanz und Ballett zu lernen. Allerdings habe ich nie Ballroom-Dancing gemacht, denn in der Zeit, in der meine Klassenkameradinnen in der Tanzschule waren, habe ich schon am Konservatorium Klavier studiert. Zwei Jahre später kam Gesang dazu und mit fünfzehn habe ich schon meine erste Platte aufgenommen und „nebenbei“ Matura gemacht. Also, ich war immer schon viel beschäftigt, deshalb macht es mir jetzt auch nichts mehr aus. Ich bin es gewöhnt, viel zu arbeiten!

Inwiefern hat sich Ihr Körperbewusstsein mit den Jahren verändert?

Total! Ich lebe sehr gesund, habe gerade 17 Kilo abgenommen und bin sehr happy darüber! Es ist nicht schwer, sondern alles im Kopf! Solange ich nicht bereit dazu war, war ich auch einfach nicht bereit – da hätte ich 1.000 Diäten probieren können. Ich trainiere zweimal die Woche mit meiner Personal Trainerin und mache dabei eine Stunde Yoga und eine Stunde Krafttraining. Jetzt hat mich natürlich der Ehrgeiz gepackt. Ich habe sowohl an mich als auch mein Umfeld hohe Ansprüche, wobei ich schon viel gütiger geworden bin. Ich bin und war immer schon eine Perfektionistin und gebe lieber 150 Prozent als 80 Prozent. Obwohl ich mir langsam schon denke, es könnte doch auch weniger sein …

Haben Sie einen Tipp wie man das eigene Körpergefühl stärken kann?

Ja, indem man in sich hinein hört! Es ist ganz wichtig, ehrlich zu sich zu sein! Das ist schwer, weil man sich gerne über gewisse Sachen hinwegtäuscht. Vielleicht muss man dazu erst alt werden? Worüber habe ich mich denn früher nicht alles gekränkt und geärgert! Ich ärgere mich natürlich auch heute noch, bin aber niemandem mehr böse. Mein Leben ist absehbar und ich möchte mich mit gewissen Menschen einfach nicht mehr umgeben. Viel lieber möchte ich meine rare Freizeit mit den Menschen teilen, die mir wichtig sind. Ich muss genug Zeit mit Menschen verbringen, die mir nicht wichtig sind, denen ich mich aber verpflichtet fühle. Oft heißt es, ich sei unnahbar oder arrogant, aber das bin ich nicht! Ich möchte nur einfach mit gewissen Dingen nichts zu tun haben, weil sie mir meine Zeit stehlen und mit Energieräubern kann ich nur schlecht umgehen. Ich bin dabei zu lernen, auch Nein zu sagen.

Als Künstlervermittlerin arbeiten Sie tagtäglich mit dem Talent von jungen KünstlerInnen. Welchen Stellenwert hat dabei das Aussehen?

Naja, wir sind ja keine Modelagentur … (lacht) Ehrlich gesagt, sind Maße nicht das einzige, das im Beruf als Schauspielerin zählt. Heute sind nicht mehr nur die aalglatten und schönen am Theater. Es geht vielmehr um die Ausstrahlung und die innere Einstellung zum Beruf.

Schönheit liegt ja bekanntermaßen im Auge des Betrachters: Welche Antwort haben Sie für Frauen, die sich damit plagen, nicht in das gängige Schönheitsbild zu passen?

Was ist denn überhaupt „schön“? Das Schönheitsbild verändert sich ja mit der Mode und dem Zeitgeist. Wichtig ist einfach, dass man mit sich selbst zufrieden ist. Natürlich macht man sich gerne „hübsch“ oder genießt es, wenn Menschen sagen, man sieht gut aus. Wenn man etwas verändern möchte, dann muss man innerlich beginnen und ehrlich zu sich sein! Veränderung nur um der Veränderung willen ist oberflächlich. Es geht in erster Linie um die innere Beschäftigung mit sich selbst!

Seit vielen Jahren engagieren Sie sich beim Verein "Wider die Gewalt". Können Sie uns abschließend über Ihre gesellschaftspolitische Arbeit erzählen?

Ich glaube, jeder Mensch braucht ein Engagement! Und Engagement muss nicht nur daraus bestehen, Geld zu geben, was aber natürlich auch sehr löblich ist. "Wider die Gewalt" fungiert als eine Art Dachverein für die vielen Vereine, die sich gegen Gewalt in der Familie einsetzen. Das ist insofern wichtig, weil das Thema leider nicht obsolet ist. Wir haben viel dazu beigetragen, um etwa sexuellen Missbrauch zu enttabuisieren. Wir organisieren mehrmals im Jahr Gala-Abende und Kabaretts. Letzen Endes ist es bei uns noch nicht so wie in den USA, wo Fundraising-Dinners selbstverständlich sind, weil die öffentliche Hand vieles nicht mehr bedienen kann. Es ist ganz wichtig, dass jeder seinen Beitrag zur Gesellschaft leistet!