Was ist Osteoporose eigentlich genau?

Osteoporose ist eine Erkrankung des Knochenstoffwechsels, die dazu führt, dass sowohl die Masse als auch die Qualität des Knochens abnimmt. Dadurch entsteht ein erhöhtes Frakturrisiko für den Knochen. Das bedeutet, dass aufgrund dieses Materialdefektes der Knochen eher bricht als bei jemandem, der einen gesunden Knochen hat.

Wer ist davon betroffen?

Das betrifft vor allem Frauen. Rund zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung haben entweder Osteoporose oder zumindest ein besonders hohes Risiko dafür. Das sind rund 800.000 Menschen, davon rund ein Viertel Männer. Frauen sind statistisch gesehen auch deshalb stärker gefährdet, weil sie eine höhere Lebenserwartung haben.

Wir wissen aber auch, dass Östrogen eine zentrale Rolle bei der Erhaltung des Knochens spielt – zu einem geringen Teil auch bei Männern, Frauen sind naturgemäß stärker betroffen. Nach dem Wechsel steigt bei Frauen das Osteoporoserisiko in dem Maße, in dem der Östrogenspiegel abfällt.

Wie lange ist denn die Krankheit schon bekannt?

Die ersten Überlegungen zu einer Therapie der Osteoporose sind aus den 1940er- und 1950er-Jahren dokumentiert. Es waren Albright und Reifenstein in den USA, die sich erstmals Konzepte überlegt haben, wie man den Knochen pharmakotherapeutisch beeinflussen kann. Damals hat die Forschung begonnen zu erkennen, dass auch der Knochen einen Stoffwechsel hat und welche Faktoren hier wirken.

Wie ist der aktuelle Stand der Forschung?

Heute gehen wir in Richtung Molekularbiologie Wir kennen noch nicht das genaue Genmuster wie etwa beim Brustkrebs. Aber wir haben mindestens acht bis zehn Kandidatengene, von denen wir wissen, dass bei deren Vorkommen beim Patienten das Risiko einer Osteoporoseentstehung sehr hoch ist. Daraus entwickeln sich jetzt Pharmakotherapien.

Man versucht, auf Zellrezeptorniveau und auch intrazellulär die Signalwege zu beeinflussen, die den Befehl „Bitte mehr Knochen bilden!“ im Körper weitergeben. Ich rechne damit, dass ein entsprechendes Medikament in den nächsten ein bis zwei Jahren den Sprung in die Apotheken schaffen könnte.

Was ist aus Ihrer Sicht bei Behandlung und Prophylaxe besonders wichtig?

Ein Thema, das oft vergessen wird, ist die Ernährung. Das ist nicht dann erst wichtig, wenn die Erkrankung diagnostiziert wurde, sondern lange davor. Die Konsequenz einer Fehlernährung über Jahre mündet in ein Ungleichgewicht im Knochenstoffwechsel, das heißt, es wird mehr Knochen abgebaut, als angebaut werden kann.

Anbauen heißt, ich brauche nicht nur die Zelle, sondern so wie der Maurer den Mörtel braucht, um aus seinen Ziegeln eine Wand bauen zu können, braucht die Zelle Calcium als Grundsubstanz, um Knochen aufbauen und verkalken lassen zu können. Nur dann kann die nötige Knochenqualität sichergestellt werden.

Ab wann ist die richtige Ernährung hinsichtlich der Osteoporose besonders wichtig? Gibt es da ein bestimmtes Alter?

Es gibt viele Stimmen, die meinen, Osteoporose ist eigentlich eine Kinderkrankheit, weil die ersten Weichen schon in der Kindheit oder auch bei den Eltern gelegt werden. Wir wissen, dass die genetische Komponente hier sehr wichtig ist. Kinder von Frauen mit eklatantem Vitamin-D-Mangel oder Osteoporose sind besonders gefährdet, selbst Osteoporose zu bekommen.

Haben Sie Tipps, wie man sich richtig ernähren kann?

Da ist schon viel passiert, auch in den Überlegungen wie wichtig der Calciumgehalt in Lebensmitteln für den Erhalt der Volksgesundheit ist. Sich im Alltag die richtige Menge Calcium zuzuführen, ist aber nicht immer so einfach, das muss man sehr bewusst angehen. So sind schon Fisch, Joghurt, Käse, Brokkoli besonders calciumreich. Wenn der Körper zu wenig Calcium bekommt, dann holt er es sich aus dem Knochen. Es ist also empfehlenswert, sich nach einem Labortest über diese Frage einmal mit einem Arzt zu unterhalten.