Astronautin zu werden war Ihr Kindheitswunsch. Wie haben Sie ihn ins tatsächliche Berufsleben hinüber gerettet?

Ich finde es immer schade, wenn Menschen ihre Träume vergessen oder sich selbst ausreden, weil mit Leidenschaft doch so vieles möglich ist. Ich selbst bin nach der Matura zur deutschen Bundeswehr gekommen, um Flugpilotin zu werden – die Lufthansa hätte mich nicht genommen. Damit ist aus meinem Traum, dieser Idee ein realistisches Ziel geworden.

Hatten Sie je Berührungsängste mit dem Militär?

Nein. Ich war so eine Mischung aus selbstbewusst und naiv, aber immer schon neugierig darauf, hinter die jeweiligen Kulissen zu gucken. Es gab ja auch eine sechsmonatige Probezeit. Außerdem ist der Beruf des Soldaten gar nicht so verschieden von dem des Polizisten: beide lernen schießen, tragen eine Waffe und haben doch aber hauptsächlich den Aspekt des Schutzes der Menschen, des Staates, der Demokratie.

Die Schusswaffe ist dann immer nur das letzte Mittel der Wahl, um sich selbst oder jemand anderen zu verteidigen.

Braucht es besondere körperliche Voraussetzungen für die Aufnahme zum Militär?

Es gibt da verschiedene Stufen der Anforderungen: Um zur Bundeswehr zu kommen, muss man einfach nur gesund sein. Bei der Fliegerei wird man dann schon auf Herz und Nieren getestet und muss voll intakt sein. Auch eine gewisse Grundfitness gehört dazu, aber wenn man gesund ist, kann man diese auch schnell aufbauen.

Ich war früher Skialpinrennläuferin, da ich in Südbayern in den Bergen aufgewachsen bin, und war dadurch sehr, sehr fit. Zwei Jahre vor der Bundeswehr hatte ich damit aufgehört, was sich dann in den ersten drei Monaten der Ausbildung schon ein bisschen rächte ...

Sie sind also schon mit einer gehörigen Portion (Selbst-)Disziplin und sportlichem Ehrgeiz ausgestattet!?

Ja. Ich bin meinen Eltern auch für die Unterstützung zum Leistungssport sehr dankbar, weil das die Charaktereigenschaften durchaus geprägt hat und Gewohnheiten wie frühes Aufstehen, sportliche Aktivität und Selbstdisziplin erzeugte.

Was ist mit psychischem Druck?

Der baut sich langsam auf. Die Ausbildung ist sehr intensiv, da werden sehr viele Notfallverfahren und das Reaktionsverhalten unter Stress geübt und natürlich jede Menge Prüfungs- und Testsituationen erlebt. So wird man einfach an ein gewisses Level gewöhnt.

Wie schaffen Sie es, dass Ihnen all diese Qualitäten erhalten bleiben?

Wir haben alle nur einen Körper, deswegen ist es mir sehr wichtig, ihm Gutes zu tun. Die Ernährung spielt hierfür eine große Rolle, weil sie bestimmt, wieviel Energie ich über den Tag habe, wie fit ich mich fühle, wie stressresistent ich bin.

Es ist deutlich spürbar, wenn ich doch mal die ein oder andere Fast-Food-Mahlzeit zu mir nehme, dass ich dann schlapper bin und mich mein Körper und ich mich selber nicht mehr so richtig mag.

Um mein Stresslevel nicht zu hoch steigen zu lassen und auch noch liebenswert für mein Umfeld zu bleiben, sind mir ein Ausgleich über Aktivitäten – am liebsten draußen joggen, mountainbiken, skifahren – aber auch bewusste Auszeiten im Garten beispielsweise sehr wichtig.

Bestehen besondere Gefahren in Ihrem Beruf?

Schäden an Wirbelsäule und Hals sind das Hauptthema. Zudem üben wir ja eine sitzende Tätigkeit aus, müssen also für genügend Ausgleichshaltung sorgen. Und natürlich achten wir darauf, dass das Herz-Kreislauf-System keine Schädigungen davonträgt. Auch die Lunge muss besonderen Belastungen standhalten können, da wir teilweise mit Druckbeatmung arbeiten, also den Sauerstoff aus der Maske unter Druck bekommen.

Auf der Her Career Messe im Oktober sind Sie als Ehrengast eingeladen – eines der wichtigsten Treffen im deutschsprachigen Raum – was erwartet Sie da?

Bereits in der Astronautinnenauswahl der Kampagne der ISS hatte ich das schöne Erlebnis, plötzlich mit 90–120 Frauen zusammenzutreffen, die ihr Ding machen.

Bei der Messe werden nun die Berufsfelder breiter gefächert sein; ich erwarte Menschen mit ganz unterschiedlichen Profilen und Lebenswegen, die allesamt verbindet, dass sie ihr Leben nach eigenen Vorstellungen gestalten und sich weder innerlich noch äußerlich einschränken lassen wollen – aus Wirtschaft, Technik, Journalismus uvm.

Eine wundervolle Möglichkeit, neue Zusammenhänge zu erschließen und über den Tellerrand zu blicken, neue Kooperationen und Freundschaften zu knüpfen und sich gegenseitig Energie, Inspiration und Antrieb zu geben.

Fiel es Ihnen schwer, sich in dieser männlich dominierten Branche zu positionieren?

Über das Thema Frau hab ich mir zuvor nie Gedanken gemacht, es kam in meiner Familie und meinem Umfeld einfach nicht vor. Ich arbeite gern mit Männern zusammen und erfahre da auch keine böswillige Unterscheidung. Es ist doch letztlich so: Man kann sich entweder zur totalen Anpassung entscheiden oder einfach sagen: Nö, ich bin wie ich bin, damit muss meine Umwelt klarkommen.

Natürlich gibt es Momente, in denen das schwerfällt. Aber dabei hilft auch die Erkenntnis, dass nicht jeder jeden mögen muss. Das ist gerade für Frauen eine schwierige Lektion, weil in uns ein Harmoniebedürfnis und die Sehnsucht, zu gefallen, so stark verankert ist. Ich brauche gewiss Sympathien und Anerkennung, aber das auf gar keinem Fall von jeder/m. Und damit lebt man so brutal einfach und schön!